Abenteurer Michael Wigge: Ängste und Blockaden überwinden – aber wie?

Abenteuerreporter und Vortragsredner Michael WiggeWarum es sich lohnt, wenn wir unsere eigene Komfortzone verlassen. Vielen Dank für diesen Artikel von Abenteuerreporter und Vortragsredner Michael Wigge.

Ängste sind ein Gesellschaftsthema. Wir kennen alle Situationen, wo uns übersteigerte Ängste und Befürchtungen ergreifen, wir zwar wissen, dass sie übersteigert sind, wir aber nicht wirklich wissen, wie wir sie überwinden sollen. Bei manchen Menschen ist es die Angst zu fliegen, andere kennen Angst vor dem Allein sein, oder generell gibt es auch Zukunftsangst, Angst vor Höhen oder Tiefen.

Ich habe mich viel mit diesem Thema auseinandergesetzt, da ich selbst Angst als Thema kenne. Als Kind hatte ich ein Stotterproblem, was üblicher Weise auf Ängste hindeutet. Glücklicher Weise habe ich dieses schon als Kind behoben, in dem ich mich einer Herausforderung gestellt habe, um meine Komfortzone zu verlassen: Mit meinem Nachbarsfreund hatte ich eine kleine Challenge, wer sich traut zuerst unerlaubt bei Nachbarn zu klingeln und sich dort vorzustellen. Natürlich löst so etwas bei einem Achtjährigen Ängste aus, denn die Befürchtung dahinter sagte mir, dass er Ärger geben könnte, Ablehnungen als Reaktion auftreten könnten, und Nachbarn sich vielleicht bei meinen Eltern melden würden. Deshalb war der erste Klingelversuch sehr schwer, ich spürte die Angst, und diese zu durchbrechen, bedeutete erheblich meine Komfortzone zu verlassen. Aber als ich vor der Nachbarin stand und sie mir freundlich einen Kakao anbot, wusste ich, dass meine Angst übersteigert war, Erleichterung trat ein. Die nächsten Versuche, bei anderen Nachbarn zu klingeln, wurden immer leichter. Je öfters ich außerhalb meiner Komfortzone diesen Selbstversuch machte, desto leichter wurden Klingelversuche, bis ich nach Wochen problemlos bei diversen Nachbarn klingeln und mich vorstellen konnte. Es gab übrigens viele Schokoladen und Kakaogetränke als Belohnung für das Durchbrechen meines Angstmusters. Mein TEDx Talk über diese Erfahrungen auf meiner englischen Speakerseite gibt es hier.

Dieses Prinzip „Komfortzone verlassen und dahin gehen, wo es weh tut“, wende ich heutzutage als Hauptmittel an, um Ängste zu überwinden. Der amerikanische Autor Richie Norton fasste es gut zusammen “If you like to overcome fear – go through it and not around!”. Wie oft wünscht man sich, Ängste zu überwinden, indem man herumgeht. Aber leider läuft es so nicht. Derjenige, der Flugangst hat, muss ins Flugzeug gehen (gerne mit freundschaftlicher Begleitung), derjenige, der Höhenangst hat, muss hoch hinaus, und derjenige, der Angst vor dem Alleinsein hat, muss einfach mal allein sein, gerne auch öfters und regelmäßig.

Ich kannte auch die Problematik mit dem Alleinsein, bis ich 2011 ein Weihnachtsfest bei mir in Berlin allein verbrachte. Der Anfang dieser drei Tage war schwierig, viele Befürchtungen und Einsamkeitsgefühle. Ich musste immer wieder daran denken, dass die ganze Welt gemeinsam um ihren Weihnachtsbäumen sitzt, und ich? Ganz allein – mit mir. Aber schon am zweiten Tag veränderten sich die Gefühle. Ich spürte, wie angenehm es sein kann, für sich selbst zu kochen, abends alleine mit sich durch das verschneite Berlin zu fahren und wie gut eine Zeit mit sich sein kann. Nach diesem Selbstversuch konnte immer wieder mit mir sein, und das immer lieber!

Überwinden von Ängsten kann man aber auch von anderen Seiten angehen. Ich empfinde Zielsetzungen im Leben zu schärfen, einen guten Weg. Oftmals können fehlende Ziele eine demotivierte, teilweise sogar depressiv verstimmte Haltung mit Ängsten auslösen. Wenn man am Horizont kein klares Bild hat, wo man hin möchte, kann dieses Angst machen. Also, was sind Ihre Ziele in einem Jahr, in drei Jahren und in fünf Jahren auf beruflicher und persönlicher Ebene? Selbst wenn sich Ziele immer wieder verändern, lohnt es sich diese zu stecken, und bewusst vor dem inneren Auge zu halten. Sie werden schnell merken, dass ein klares Set von Zielen, die Stimmung hebt, Motivation ins Leben bringt und Ängste mindert.

In meiner persönlichen Erfahrung habe ich auch immer im persönlichen Stressmanagement viel Erfolg mit Veränderung von Ängsten gehabt. Andersherum gesagt, viel Stress im Leben = mehr Angst.

Es lohnt sich zu hinterfragen: Packe ich mir den Tag zu voll, kann ich mich gut genug von äußeren Wünschen und Forderungen abgrenzen, setze ich mich zu stark unter eigenen Leistungsdruck, und gebe ich mir genug Pausen und Puffer?

Dieses kann noch weiter geführt werden. Gönne ich mir genug Schlaf, pflege ich gute soziale Beziehungen und lebe ich gesund? Alle Aspekte tragen zu einem persönlichen Stressmanagement und auch zu einem Abbau von Ängsten bei.

Mein persönlicher Erfolgstipp ist am Ende dieses Beitrags Ausdauersport und meditative Praktiken. Seit sieben Jahren jogge ich jeden zweiten Tag und merke nach jedem Lauf, wie sich Stress und Angst abgebaut haben. Um dieses zu stärken, konzentriere ich mich bei meinen Läufen ganz simpel auf meinen Atem, auf die Natur um mich herum, oder auf das Berühren meiner Füße auf dem Waldboden, so stärke ich dabei meine Achtsamkeit. Bei dieser Übung habe ich nach und nach erlernt, meine Gedanken herunterzufahren und meinen Fokus im hier unter jetzt zu stärken. Solche Meditationstechniken sind simpel erlernbar und unterstützen den Stressabbau und das Überwinden von Ängsten.

Mehr zum Thema „Ängste überwinden“ und finden Sie auf meiner deutschen Redner- und Abenteuerreiseseite hier.

Welche Angst packen Sie als nächstes an?

Angstfrei in die Zukunft, Ihr Michael Wigge