Die Zeit beeinflusst nahezu alle unsere Erfahrungen in irgendeiner Form. Fast nie haben wir genug von ihr und empfinden dabei oft Stress, Druck und Unzufriedenheit. Vergeht die Zeit zu schnell, macht uns dies ab einem gewissen Punkt in unserem Leben oft Angst und wir haben die Sorge, unser Leben nicht richtig zu nutzen und etwas Wichtiges zu verpassen. Haben wir hingegen das Gefühl, zu viel von der Zeit zu haben, so können Langeweile, Ungeduld oder auch innere Leere entstehen. Man könnte sagen, dass praktisch alle unsere Erfahrungen in irgendeiner Form von der Zeit beeinflusst werden.
Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit in Deutschland ist in den vergangenen 50 Jahren um ein Drittel gesunken. Folglich hätten wir theoretisch mehr Freizeit als jemals zuvor. Doch in Wahrheit rennen die meisten Menschen gestresst der Zeit hinterher und erschöpfen sich dabei zunehmend. “Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen”, so Lucius Annaeus Seneca.
Vielleicht macht genau der Faktor Zeit den Jahreswechsel so besonders. Viele von uns nutzen die Tage um den Jahreswechsel, um sich Zeit zu nehmen: für die Familie, für gute Freunde, für Ruhe und Müßiggang, zum Lesen, Reflektieren oder Planen, für neue Ziele und Vorhaben. Oder sie ritualisieren den Jahreswechsel, beispielsweise mit den Rauhnächten.
Gegenwart
Eckhart Tolle schreibt: “Bist du so damit beschäftigt, in die Zukunft zu gelangen, dass die Gegenwart zum reinen Mittel geworden ist, dort anzukommen? Stress wird verursacht, wenn du “hier” bist, aber “dort” sein willst, wenn du in der Gegenwart bist, aber in der Zukunft sein willst”.
“Die beste Weise, sich um die Zukunft zu kümmern, besteht darin, sich sorgsam der Gegenwart zuzuwenden“, schrieb der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh. Und bereits Laotse schrieb: “Wenn du depressiv bist, lebst du in der Vergangenheit. Wenn du Angst hast, lebst du in der Zukunft. Wenn du inneren Frieden erlebst, dann lebst du in der Gegenwart”.
Das Ziel aller spirituellen Lehren, Meditationstechniken und aller Achtsamkeitstechniken ist, im Moment zu sein. “Sei jetzt hier”, sagte Ram Dass. Eine Geschichte aus dem Zen erzählt von einem Meister, der von seinem Schüler einmal gefragt wurde, wie er trotz seiner vielen Arbeit immer so ruhig, gelassen und glücklich sein könne. Der Meister antwortet: “Das ist eigentlich ganz einfach: Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich liebe, dann liebe ich …” Der Schüler sagte daraufhin: “Aber das mache ich doch genauso.” Daraufhin sagt der Meister: “Nein – wenn du sitzt, dann stehst du schon, wenn du stehst, dann läufst du schon, wenn du läufst, dann bist du schon am Ziel.”
Die Firma Potential Project hat in großen Unternehmen gemessen, dass einfache Achtsamkeitsübungen von 5 bis 10 Minuten am Morgen, eine einminütige Atemmeditation vor jedem Meeting und das Mantra “Sei jetzt hier” durchschnittlich den Zeitaufwand von Meetings um 35 Prozent senken konnte, das E-Mail-Aufkommen pro Jahr sank um 22 Prozent und das persönliche Stressempfinden der einzelnen Mitarbeiter nahm um 37 Prozent ab.
Eckhart Tolle sagt: “Der Verstand erschafft eine Art Besessenheit von der Zukunft als Flucht vor der unbefriedigenden Gegenwart… Du findest dich selber, indem du in die Gegenwart kommst.”
Wenn wir die Zukunft nicht weiter fürchten und die Vergangenheit nicht ständig bedauern wollen, müssen wir die Gegenwart in genau diesem Augenblick akzeptieren – oder uns für Veränderung entscheiden. Doch dafür müssen wir bereit sein, voll im Hier und Jetzt zu sein und den gegenwärtigen Moment mit all dem, was in diesem Augenblick zu uns und unserem Leben gehört, wahrzunehmen. Goethe schrieb: “Denn das ist eben die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu allem macht.”
Das Gesetz der Gegenwart besagt: es gibt kein glücklich werden, es gibt nur ein glücklich sein. Alles andere sind nur mentale Konstrukte. Wir verpassen unsere Gegenwart beim Versuch, die Gegenwart festzuhalten. Wie die Formel panta rhei des griechischen Philosophen Heraklit besagt: “Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen”.
Was ist Zeit?
US-Bestsellerautor Stefan Edmunds schrieb: “Time is an illusion, timing is an art.” Wir haben jeden Tag mit Zeit zu tun, doch niemand weiß wirklich, was Zeit ist, auch nicht der Meister der Zeitwissenschaft Albert Einstein. Einstein sagte, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nichts weiter als eine hartnäckige, anhaltende Illusion sind. Albert Einsteins Relativitätstheorie besagt unter anderem, dass die Zeit keine konstante – also immer gleiche – Größe ist, sondern dass sie schneller oder langsamer vergeht: und zwar unter anderem abhängig von der Geschwindigkeit. An Bord von schnell fliegenden Raumfahrzeugen vergeht die Zeit langsamer als auf der Erde. Für einen Menschen im All vergeht die Zeit um den Faktor 1,0000000007 schneller als für uns auf der Erde.
“Je mehr du über die Zeit weißt, desto mehr wirst du verstehen, dass sie in Wirklichkeit nicht so ist, wie wir denken. Die Zeit, wie wir sie gemeinhin annehmen, ist eine Illusion, die nur sehr wenig mit dem zu tun hat, was sie wirklich ist oder wie sie sich verhält. Die Zeit, die wir zu kennen glauben, gibt es nicht. Nichts an der Art und Weise, wie wir individuell Zeit erleben, ist absolut”, sagt der Ex-Google-Manager und Autor Mo Gawdat.
Vergiss die Zeit
Vielleicht entdeckst du, dass alles, was du dir von der Zeit erhofft hast, “eines Tages” zu erreichen, dir genau im jetzigen Moment zur Verfügung steht. Jede Kette von Geschehnissen fängt im Bewusstsein des gegenwärtigen Augenblicks an.
Vielleicht ist daher genau jetzt der richtige Augenblick, bewusst genau den Ort zu verlassen, an dem die Zeit nach unserer Definition existiert – unserem Kopf – und mehr im Augenblick und in unserem Herzen zu sein. Sei ganz da, wo du jetzt gerade bist. Sei ganz mit dem, was du bist. Oder wie Byron Katie sagt: streite nicht mit der Wirklichkeit.
Wir erschaffen unser Leben meist ganz unbewusst. Studien zufolge sind westliche Erwachsene zu 95 Prozent unbewusst. Nutze die Zeit des Jahreswechsels also, um einfach im Augenblick zu sein. Das ist alles, was wir je haben: den gegenwärtigen Augenblick. Entspanne dich, atme, sei dankbar und voll und ganz in diesem Moment. Und vertraue darauf, dass die Zeit sich um den Rest kümmern wird.
Nutze die Zeit
In einer Rede vor Absolventen der Universität Stanford gab Steve Jobs den Zuhörenden folgende Botschaft mit: “Deine Zeit ist begrenzt, also vergeude sie nicht, indem du ein fremdbestimmtes Leben führst. Hüte dich vor Dogmen, denn das heißt nichts anderes, als sein Leben an den Ansichten anderer Leute auszurichten. Pass auf, dass der Lärm fremder Meinungen nicht deine innere Stimme übertönt. Und vor allem: habe den Mut, deinem Herzen und deiner Intuition zu folgen. Die beiden wissen schon, was du wirklich werden willst. Alles andere ist sekundär.”
Ein Mangel an Zeit ist ein Mangel an Prioritäten. Das Parkinsonsche Gesetz besagt: “Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht”. Also nutze die Zeit für das, was du WIRKLICH möchtest. “Krank werden viele Menschen deshalb, weil sie das, was sie krank macht, für etwas halten, das sie glücklich machen soll”, so der Neurobiologe Gerald Hüther. Frage dich heute: Was macht dich WIRKLICH glücklich? Folge dem Weg deines Glücks und erfahre, was dich wirklich glücklich macht.
Schreibe jetzt diese drei Überschriften mit diesen drei Fragen auf und liste alles auf, was dir dazu für dein Leben einfällt:
1. Erfahrungen
Welche schönen Erfahrungen möchte ich in meinem Leben machen?
2. Wachstum
Wie möchte ich als Mensch wachsen?
3. Beitrag
Wie kann ich einen Beitrag leisten?








