Was bedeutet Stress?

Was ist Stress?

Wie entsteht Stress? Worin liegen die Unterschiede zwischen positivem und negativem Stress?

Grundsätzlich wird zwischen „Eustress“ = positiver Stress (Energie, Motivation, Zuversicht, Abwehrkräfte, Leistungen) und „Distress“ = negativer Stress / Spannungsstress (Erschöpfung, Überforderung, Pessimismus, geringe Zuversicht, Beschleunigung des Alterungsprozess) unterschieden. Wirklich gefährlich werden kann auf Dauer der Distress und dabei vor allem der innere Stress. Teilweise merken wir gar nicht, dass wir uns starkem Stress aussetzen. So wurde z.B. in Studien nachgewiesen, dass unser vegetatives Nervensystem immer in Alarmbereitschaft ist, sobald unser Dienst-Handy eingeschaltet ist.

Das menschliche Gehirn ist zwei Millionen Jahre alt und auf das Überleben ausgerichtet und ist nicht primär dafür beschaffen, uns glücklich zu machen. Dies ist mehr oder minder unser „eigener“ Job. Es bekommt Signale aus unserem vegetativen Nervensystem und sendet Befehle an unseren Körper durch zwei autonome Bereiche: dem sympathischen Nervensystem und dem parasympathischen Nervensystem. Unser Gehirn ist evolutionär geprägt in permanenter Alarmbereitschaft und hält nach dem Ausschau, was nicht stimmt. Was passiert bei Stress? In Stresssituationen werden die Überlebensinstinkte des Menschen geweckt, der Mensch reagiert mit den archaischen Notfallprogrammen Angriff, Flucht oder Starre. Über die Sinnesorgane gehen Signale an die Mandelkerne und die Steuerzentrale unseres Nervensystems, den Hypothalamus (tiefer gelegene Gehirnsschicht). Blitzschnell werden Stresshormone im Gehirn produziert. Das Stresshormon ACTH gelangt über den Blutkreislauf in die Nebennierenrinde. Diese schüttet das Stresshormon Cortisol aus. Parallel produziert ein spezialisiertes Nervensystem Adrenalin. Zusätzlich kommt es zur Ausschüttung von Gehirnhormonen und zu einer Stimulierung des Sympathikus. Das Adrenalin gelangt dann zu allen Organen des Körpers und bereitet sie auf Kampf oder Flucht vor. Cortisol und Adrenalin treiben unter anderem den Blutdruck und Herzschlag in die Höhe, die Gefäße werden enger, die Atmung schneller, ein starkes Hungergefühl tritt auf.

Stressoren – wann wird Stress zum Problem?

Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der biologischen Psychologie blockiert das in Stresssituationen ausgeschüttete Hormon Cortisol das Abrufen von Wissen aus unserem Gehirn und schränkt unsere Erinnerungs- und Leistungsfähigkeit temporär stark ein.
In einer Stress-Reaktion verbrauchen die Nervenzellen im Gehirn ca. 80% der gesamten Energiezufuhr. Da der Körper den Großteil seiner Energie in der Belastungssituation für das Gehirn benötigt, verringert sich die Zufuhr von Glukose an die Muskeln, die Anspannung der Muskeln erhöht sich. In Belastungssituationen hat das Notprogramm mit der hohen Energie-versorgung oberste Priorität, andere Körpervorgänge (z.B. Verdauung, Appetit, Schlaf, Lust auf Sex etc.) erscheinen dem Körper in dieser Zeit als sekundär und werden stark reduziert oder gestoppt.

Hält die Stresssituation über einen längeren Zeitraum an, hat dies gravierende Folgen: das System samt Energiereserven ist irgendwann entleert, der Körper schafft die Nachproduktion nicht mehr. Der sogenannte Neurostress ist anhand der Werte von Adrenalin, Cortisol usw. messbar – in Burnout-Stufe 12 ist z.B. fast kein Cortisol mehr im Blut nachweisbar. Chronischer Stress bewirkt Anpassungsreaktionen im Körper (allostatische Aktivierung), Wut und Ärger sind beispielsweise nicht mehr richtig kontrollierbar, Denkstrukturen und Stoffwechselvorgänge verändern sich.

Diese Reaktionen werden häufig dann nicht wahrgenommen, wenn Leidenschaft und Euphorie unser Tun bestimmen. Denn dabei wird die Endorphinausschüttung in unserem Gehirn stimuliert, wir fühlen uns gut und nehmen die Schmerzen im Körper weniger wahr. Diese Gefühle werden oft verstärkt durch Zucker, Alkohol oder Nikotin. Diese Stoffe suggerieren unserem Bewusstsein kurzfristig Zufriedenheit. Unser Stresssystem ist evolutionär geprägt. Während Männer eher mit dem „Fight-or-Flight-Prinzip“ (Kämpfen oder Fliehen) auf Stress reagieren, führt Stress bei Frauen eher zu „tend and befriend“, also sich kümmern und Freunde machen. Frauen versuchen häufig Stress mit viel Schlaf auszugleichen. Aber vor allem haben Frauen bei Stress einen erhöhten Gesprächsbedarf: jede 2. Frau hat bei Stress und Belastung ein starkes Bedürfnis mit dem Partner zu sprechen. Dagegen hat Studien zufolge nur jeder 6. Mann Redebedarf bei Stress, Männer suchen eher Ausgleich durch Sport, Ablenkung, Verdrängung oder Entspannung „beim Bierchen“.

Dauerhaft ausbleibende Regeneration und fehlendes Stressmanagement können zu körperlichen Symptomen und Krankheiten führen (z.B. Bauch-schmerzen, Hörsturz, Rückenschmerzen), aber auch zu psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen oder Angststörungen.

Stress reduzieren

Daher: Stellen Sie sich zur Vorbeugung und Bewusstwerdung Ihrer derzeitigen Situation öfter folgende Fragen:
Wie geht es mir gerade?
Habe ich genügend Schlaf?
Atme ich richtig?
Habe ich feste Pausen und Auszeiten eingeplant?
Ernähre ich mich auch mal gesund?
Wie beginne ich meinen Tag?
Mache ich eine bewusste Mittagspause?
Wie beende ich meinen Arbeitstag?
Was mache ich direkt vor dem Schlafen gehen?
Wann habe ich mir das letzte Mal bewusst eine halbe Stunde nur für mich genommen

Um Stress erfolgreich zu reduzieren, eignet sich ein persönliches Life Coaching oder mein Buch DESIGN YOUR LIFE.

By |2018-07-09T15:41:39+00:00Juli 9th, 2018|Selbstcoaching, Stress, Tipps, Wissen|
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