Unterbewusstsein

Die Macht des menschlichen Unterbewusstseins

„Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten“ (Henry Ford), „Das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab“ (Marc Aurel), „Das, was du heute denkst, wirst du morgen sein“ (Buddha), „Geh nie ohne Anfrage ans Unterbewusstsein schlafen“ (Thomas Edison), „Mein Erleben ist das, worauf ich mich entschieden habe, meine Aufmerksamkeit zu richten“ (Psychologe William James), „If you can dream it, you can do it“ (Walt Disney), „Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst“ (Albert Schweitzer), „Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Deine Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Taten. Achte auf Deine Taten, denn sie werden Deine Gewohnheit. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal“ (Aus dem Talmud) – Zitate gibt es unzählige, die das unbeschreiblich große Potenzial unseres Unterbewusstseins beschreiben. Doch was genau ist das Unterbewusstsein und wie unterscheidet es sich vom Bewusstsein?

Das menschliche Gehirn

Im Gehirn eines erwachsenen Menschen befinden sich etwa 86 Milliarden Nervenzellen, auch Neuronen genannt. Diese sind untereinander mit ca. 100 Billionen Synapsen verbunden. Das heißt, jede einzelne Gehirnzelle ist mit jeweils mindestens 1000 anderen Gehirnzellen verbunden. Selbst die Besten unter uns nutzen gerade einmal bewusst 10% ihres mentalen Potenzials – ca. 90% vorhandener Ressourcen schlummern ungenutzt bzw. unbewusst vor sich hin. Von den rund 2000 Kalorien, die wir pro Tag ungefähr verbrennen, werden ca. 500 Kalorien für unser Gehirn verwendet. Unser Gehirn macht also zwar nur ca. 2 Prozent unseres Körpergewichts aus, dennoch beansprucht es bis zu 25 Prozent der Energie, die wird jeden Tag verbrauchen.

Das Großhirn befähigt uns zum Denken, Fühlen und Handeln. Hier sitzen die Frontallappen (intellektuelle Planung, Wille, kritisches Denken etc.), die Scheitellappen (Orientierung, Mathematik etc.), die Schläfenlappen (Sprache, Gedächtnis etc.) sowie die Hinterhauptlappen (visuelle Informationen).

Das Gehirn wird geprägt von Art, Zweck und Intensität der individuellen Nutzung und zeichnet sich bis ins hohe Alter hinein durch enorme Komplexität, Neuroplastizität aus, das heißt durch die permanente Fähigkeit des Verknüpfens neuer Verbindungen und des Erfassens neuer Lernvorgänge. Dabei besteht eine Wechselseitigkeit von Körper, Sprache, Emotion und Gehirn: Allein eine Veränderung des Gesichtsausdrucks oder der Körperhaltung reicht aus, um eindeutig nachweisbare Veränderungen im anatomen Nervensystem zu bewirken – und umgekehrt.

Die Nervenzellen „Spiegelneuronen“ in unserem Gehirn bestimmen unser Empfinden und soziales Verhalten. US-Forscher fanden heraus, dass die Spiegelneuronen uns das fühlen lassen, was andere empfinden, z.B. Mitleid, Trauer, Freude oder Schmerz. Sie erzeugen Intuition, die uns ahnen lässt, was kommen könnte.

Der Mensch verfügt über zwei Wahrnehmungssysteme, das Unterbewusstsein und Bewusstsein.

Das Unterbewusstsein

Unser Unterbewusstsein kann bis zu 80.000 Informationen pro Sekunde aufnehmen, verarbeiten und speichern und ist somit 10.000 Mal schneller (und klüger) als unser bewusster Verstand, auf den wir uns so sehr konzentrieren. Das Unterbewusstsein steuert zu ca. 99% nicht nur die Funktionen unseres Organismus, sondern auch die Ausführung unserer Handlungen. Unser Unterbewusstsein funktioniert gewohnheitsmäßig, es reagiert auf die gleichen Lebenssignale immer mit dem gleichen Verhaltensmuster. „Um unsere Vorfahren am Leben zu erhalten, hat Mutter Natur ein Gehirn entwickelt, das sie routinemäßig dazu gebracht hat, drei Fehler zu machen: Bedrohungen zu überschätzen, Chancen sowie Ressourcen (für den Umgang mit Bedrohungen und die Wahrnehmung von Chancen) zu unterschätzen“, sagte der Neuropsychologe Rick Hanson.

Die im Laufe unseres Lebens entstehenden destruktiven Muster sind verinnerlichte Reaktionen, die sich vom ursprünglichen Ergebnis abgekoppelt und damit verselbständigt haben. Viele unserer Verhaltensmuster entstehen in der Prägephase, die ungefähr bis zu unserem 6. Lebensjahr geht. Diese Prägung können wir zwar in Teilen ändern, aber selten grundlegend. Das Kindheits-Ich prägt unser ganzes Leben. Im Alter von ca. 6 Jahren entsteht der sogenannte kritische Faktor, der Bewusstes vom Unbewussten trennt. Dieser prüft bei jeder neuen Sinneswahrnehmung, ob ein passendes Programm bereits vorhanden ist. Wenn ja, wird dieses automatisch übernommen. Wenn nein, prüft der kritische Faktor, ob diese neue Information ignoriert werden kann oder neu aufgenommen werden muss. Im Mentaltraining verschaffen wir uns Zugriff auf unser Unterbewusstsein, indem wir den kritischen Faktor temporär einschränken, ablenken oder ausschalten. Verdrängtes kann so an die Oberfläche kommen, Informationen können direkt ins Unterbewusstsein gelangen, verankert und umgesetzt werden.

Retikuläre Aktivierungssystem RAS

Im unbewussten Teil unseres Gehirns sitzt eine Art Fokusmuskel unseres Gehirns, das retikuläres Aktivierungssystem („RAS“) genannt wird. Das RAS ist ununterbrochen damit beschäftigt, Daten, Fakten und Informationen zu erfassen, die für Ihr vorrangiges Ziel von Wichtigkeit sind.

Sobald Sie Ihrem Gehirn ein Ziel eingeprägt haben, das Sie wirklich und leidenschaftlich wollen, macht sich das RAS auf die Suche nach allen Möglichkeiten und Gelegenheiten, damit dieses in Erfüllung geht. RAS wird durch Training und Wiederholung wie ein Muskel aufgebaut.

Bewusstsein und Unterbewusstsein

Wir denken im Schnitt 60.000 – 80.000 Gedanken pro Tag. Wir verarbeiten ca. 11 Mio. Bits pro Sekunde, davon sind 99,9% unbewusst, das bedeutet, nur 0,1% sind davon bewusst. Einer Studie des American Science Institutes zufolge sind von den durchschnittlich 65.000 Gedanken pro Tag ungefähr 80% genau die selben Gedanken, die wir auch am Vortag hatten. Es ist also eine Illusion unserer Wahrnehmung, dass wir glauben, uns jeweils individuell, neu und unvoreingenommen aufgrund der Situation zu entscheiden. Das stimmt jedoch nicht. Wir greifen auf die innere Festplatte unserer Muster zurück.

Weil Entscheidungen viel Zeit und Energie kosten, versuchen wir unterbewusst, Denkprozesse zu vereinfachen. Es entstehen Muster, die ohne rationales Nachdenken auskommen. Dabei täuscht uns oftmals unser Gehirn. Dieses Phänomen nennt man kognitive Verzerrung. Diese können dazu führen, dass wir falsche Schlüsse ziehen und uns so systematisch selber täuschen.

Kognitive Verzerrung

Fünf zentrale Elemente der kognitiven Verzerrung unterscheidet man:
1. Mitläufereffekt – wir nehmen oft unbewusst genau die Meinung an, die am häufigsten vertreten wird, ohne sie zu hinterfragen.
2. Bestätigungsfehler – wir interpretieren neue Informationen oftmals genau so, dass sie unseren eigenen Erwartungen entsprechen.
3. Selbstwertdienliche Verzerrung – persönliche Erfolge werden eher den eigenen Fähigkeiten zugeschrieben, Misserfolge werden eher auf äußere Umstände geschoben.
4. Gender Bias – wir neigen dazu, in Rollenklischees zu denken und Tätigkeiten geschlechtsspezifisch zuzuschreiben.
5. Halo-Effekt – wir neigen dazu, bekannte Eigenschaften eines Menschen auch auf die Eigenschaften der Person zu schließen, über die wir gar keine Informationen haben.

Vieles, was uns im Leben widerfährt, ist Ausdruck dessen, was wir selbst mit unserem Denken erschaffen. Wie weit unsere eigenen Gedanken unser Erleben bestimmen, zeigen z.B. Placebos. Aufgrund unseres Denkens haben die Placebos einen realen positiven Effekt auf unsere Gesundheit. In einer wissenschaftlich fundierten Dokumentation „Der Geist bestimmt den Körper“ zeigte der renommierte Discovery Channel die mentale Wirkung und damit Steigerung des Wohlbefindens oder Heilung durch Placebos. Oder umgekehrt: Unser Gehirn ist mithilfe von sogenannten Neurotransmittern in der Lage, binnen Sekunden – z.B. bei einer Angstreaktion – echte körperliche Beschwerden entstehen zu lassen, obwohl die betroffenen Organe völlig gesund sind.

Wer mit dem berühmten „positiven Denken“ allein zum Erfolg zu gelangen versucht, wird all zu oft enttäuscht: Denn unter der Decke des „Positiven Denkens“ brodeln unsere Ängste, Zweifel, Blockaden weiter. Die „positiven“ Suggestionen unseres Verstandes (z.B. „Du bist erfolgreich“; „alles, was geschieht, ist gut“, „Du wirst reich“ etc.) bewältigen nicht die Zweifel („ich schaffe das nicht“, „ich bin es nicht wert“, „ich werde durch den großen Stress bald krank“), sondern führen zu einer inneren Spaltung.

Neues Verhalten lernen

Trotz der Evolution des Menschen tragen wir noch evolutionäres Erbgut aus der Steinzeit in uns. Das wohl bekannteste davon ist unser angeborenes, unterbewusstes Reflexverhalten in Gefahrensituationen. In diesen reagiert unser Limbisches System unbewusst und unmittelbar mit dem archaischen Notfallprogramm Angriff, Flucht oder Starre (fight-or-flight response). „We all have a 2-million-year-old brain. Your brain is designed to make you survive. Your brain is not designed to make you happy, that is your job!“ – Tony Robbins. Lediglich eine neue Konditionierung und starke Emotionen können diese automatischen Reaktionen nachhaltig abändern. Mentalcoaching schafft neuen Zugriff auf ungenutztes Potenzial, fokussiert unterbewusste Programme auf unsere Ziele und bringt Wollen, Können, Glaubenssätze und unseren inneren Dialog in Einklang mit den zu erreichenden Zielen.

Wir können lernen, unseren Fokus zu verändern, klare Ziele zu visualisieren und unserem Unterbewusstsein entsprechend neue gezielte Informationen zu geben und damit unser Verhalten automatisch zu verändern. Richten wir die Aufmerksamkeit auf ein klar definiertes Ziel, navigiert unser Unterbewusstsein uns zum Ziel – wie wir z.B. beim Autofahren oft unbewusst zu unserem Ziel gelangen.

By |2018-09-28T09:34:09+00:00September 28th, 2018|Potenzial, Wissen|