Sinn und Orientierung finden: Der Weg zu einem erfüllten Leben
Etwas Bedeutsames tun, dem eigenen Leben einen Sinn geben, Spuren hinterlassen und das Gefühl haben, zu wissen, wofür man auf dieser Erde ist… Diese Wünsche teilen die meisten von uns. Die jungen Generationen machen dieses Selbstverständnis zu ihrer Lebenshaltung, geraten dabei nicht selten in eine Schockstarre, weil sie nicht wissen, für welche der zahlreichen Optionen des Lebens sie sich entscheiden sollen. Frühere Generationen hielten diese brodelnde Sehnsucht nach Sinn meist über viele Jahre fast unbemerkt in Schach, bis es sich dann in der Lebensmitte oder nach einem Schicksalsschlag explosionsartig zeigt.
Auch die Pandemie hat die meisten von uns zum Stillstand und zur Reflexion gezwungen. Viele Menschen wachten so nach vielen Jahren des ferngesteuerten Arbeitens und Funktionierens auf, erschreckten sich, wo all die Jahre geblieben sind und wurden mit den Fragen konfrontiert: Läuft mein Leben eigentlich noch in die Richtung, in die ich gehen möchte? Glaube ich noch an das, was ich da tue? Erfüllt mich das? Entspricht das meiner Erwartung an mein eigenes Leben? Funktioniere ich mehr als dass ich lebe?
Die Falle der vertrauten Unzufriedenheit
Diese und viele weitere Fragen ersticken wir nur allzu oft im Keim, zu groß ist die Angst, dass es uns nicht zustünde, uns danach zu fragen, was wir eigentlich in diesem Leben wollen. Zudem ist unsere Sorge erdrückend groß, nicht zu wissen, was den Status-quo dann eigentlich ersetzen solle.
Durch diese Ohnmacht und falsche Glaubenssätze ziehen wir die Vertrautheit unserer alltäglichen Unzufriedenheit vor und gaukeln uns vor, dass die schönen Momente unseres Lebens überwiegen und wir alles richtig machen. In der Psychologie spricht man vom sogenannten Bestätigungsfehler. Kurz gesagt beschreibt der Bestätigungsfehler die Neigung, die Dinge so zu sehen, wie sie der eigenen Vorstellung entsprechen. „Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel“, schrieb Friedrich Nietzsche.
So absurd es klingt, oft ziehen wir das Verharren in Leid, Unglück, Unzufriedenheit und Misserfolg positiver Veränderung vor; denn mit dieser Verhaltensweise wird ein elementares Gefühl in uns befriedigt: Vertrautheit. Diese gibt uns ein vermeintliches Gefühl von Sicherheit, wohingegen Veränderung als Bedrohung und als unkalkulierbares Risiko erscheint. Unser Verstand will, dass wir nur das machen, was wir bereits kennen.
Das Leben hinter den Ängsten
Doch nicht unsere Nachbarn, nicht die Meinung der anderen, nicht unser Zuhause, nicht der tägliche Ablauf, nicht die Fernsehserien, nicht unser materielles Begehren, nicht unsere Ängste und Sehnsüchte sind das echte Leben. Das Leben ist das, was sich hinter unseren Ängsten und unterdrückten Erwartungen verbirgt. „Wenn du dich sorgst, was andere Menschen von dir denken, wirst du immer ihr Gefangener sein“, wusste schon Lao Tse.
Es gibt die wissenschaftliche Theorie, dass der Mensch sein Überleben vor allen Dingen auch dadurch sicherte, dass er ständig auf das Defizit fokussiert war. So entstand über Millionen von Jahren eine neuronale Prägung. Doch unsere Ängste und Befürchtungen machen uns abhängig, unzufrieden und lähmen uns. „Angst verhindert nicht den Tod, sondern das Leben“, sagte Buddha.
Wenn du ein Lineal an dein jetziges Leben und deine Situation ansetzt und einen Strich in die Zukunft ziehst, dann bekommst du einen Einblick in deine Zukunft. Viele Menschen verpassen ihr Leben, weil sie permanent auf etwas Großartiges warten. Doch ein großartiges Leben entsteht durch die Summe kleiner Momente, die großartig sind und denen wir uns voll und ganz im Augenblick hingeben: Ein gutes Gespräch mit einem Freund, eine liebevolle Berührung, ein Spaziergang in der Natur, ein gutes Essen, schöne Musik…
„Wir alle haben zwei Leben. Das Zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur Eins haben“, schrieb Tom Hiddleston.
Das Warum schlägt das Was, das Wie schlägt das Warum
Die Frage nach dem Was unseres Tuns führt meist zu irreführenden Antworten und entspringt dem Ego. Wir wollen durch ein bedeutsames Was selbst bedeutsam sein und unserem Leben und damit uns selbst einen Wert geben. Doch du musst nichts Bedeutsames tun, um selbst bedeutsam zu sein. Oft knüpfen wir unseren Selbstwert an Leistungen und die Erfüllung fremder Erwartungen. Doch wahrer Sinn ergibt sich nicht aus Bedeutsamkeit und von anderen gebraucht zu werden, sondern aus dem Grad innerer Erfüllung und wahren Glücks.
Das Warum unseres Tuns bildet das Fundament für den Grad von Sinn und Erfüllung und gibt Antwort auf die Frage, wer wir sind und was wir in unserem Leben erreichen wollen. Genau dieses Warum ist es, das uns mit Leidenschaft und großer Motivation zu Höchstleistungen antreibt und Niederlagen besser verkraften lässt.
Bei unserem Streben überschätzen wir oft das, was wir tun. Aber das Was ist gar nicht so entscheidend, sondern das Warum, das Wie und das mit Wem. Egal, ob du Postbote, Busfahrer oder Vorstandsvorsitzender bist, das Wie deines Handelns bestimmt, was du an Resonanz erntest, wie du dich selbst beurteilst und wie du dich bei deinem Tun fühlst.
Und selbstverständlich bedeutet TUN auch Fehler machen, Rückschläge hinnehmen und einstecken. „Erfolg ist das Resultat guter Entscheidungen, gute Entscheidungen sind das Resultat von Erfahrung, Erfahrung ist das Resultat schlechter Entscheidungen“. Denn wer aufhört, Fehler zu machen, hört auch auf zu lernen.
Antoine de Saint-Exupéry schrieb: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen, sondern möglich machen“.
Zwei Grundsätze für die Sinnfindung
Es gibt zwei Grundsätze, die sich bei der Persönlichkeitsentwicklung und bei der Suche nach Sinn und Orientierung bewährt haben:
- Handlungen heilen Angst
- Glück folgt der Entschiedenheit
Das Problem an permanenter Selbstoptimierung ist, dass wir in einem chronischen Gefühl leben, dass wir so, wie wir gerade sind, nicht gut genug sind. Daher fängt ein erfolgreicher Prozess der Selbstoptimierung mit der liebevollen Annahme an, genauso, wie wir gerade sind. Erst dann sollte ein kraftvolles Ziel formuliert werden.
Sei kein Buddha: Die Gefahr des „richtigen“ Verhaltens
Auf unserem Weg hin zu Sinn und Erfüllung orientieren wir uns meist an äußeren Standards, inspirierenden Lehren und Menschen, die uns den „richtigen“ Weg weisen. Hinter dem Streben, sich „gut“ und „richtig“ zu verhalten, steht der moralische Anspruch, ein guter Mensch zu sein. Doch diese Orientierung an äußeren Faktoren bewirkt vor allem eines: Wir fühlen uns ohnmächtig und erlauben uns nicht, radikal wir selbst zu sein.
Wenn phasenweise alles gut läuft, wir erfolgreich und gesund sind, wir uns geliebt und sicher fühlen, fällt uns diese Abhängigkeit kaum auf. Doch sobald irgendeine Störung auftritt, erkennen wir unsere große Abhängigkeit von anderen, äußeren Faktoren. Und vor allem unterdrückt und verzerrt dieses „richtige Verhalten“ die wahren, inneren Gefühle.
Das alte, überlieferte Wissen großer Meister vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende zeigt ein Mysterium ganz deutlich: Je mehr wir wissen und lernen wollen, desto weiter entfernen wir uns von wahrem Wissen, tiefer Weisheit und klarem Bewusstsein – von unserem Selbst. Denn wir sind nicht unser Verstand. Im Äußeren häufen wir Wissen an, aber unsere menschliche Weisheit ist etwas Inneres. Ein indisches Sprichwort besagt: „Weisheit lässt sich nicht erlernen, man kann nur weise werden“.
Die vier falschen Strategien
Das Ego möchte leider oft weniger besser werden als besser wirken. Das Ego denkt dabei immer in Extremen. Doch: Unser Ego muss nicht geheilt werden, sondern gesehen und liebevoll akzeptiert werden. Oft werden vier falsche Strategien im Umgang mit Problemen unbewusst angewendet:
- Verdrängung
- Ablenkung
- Vermeidung
- Härte
Oder eben der selbst auferlegten „richtigen“ Verhaltensweise und dem inneren Verbot, negative Gedanken und Gefühle zu haben. Doch wer sich wie ein Buddha verhält und sich einredet, keinen Neid, keine Wut und keine Angst zu fühlen, unterdrückt brutal sein wahres Selbst und verhindert genau die Entwicklung, die man so sehr erstrebt.
„Don’t deal it until you feel it and heal it“, heißt es im Englischen. Das bedeutet: Bevor du dich mit etwas abfindest und so tust, als sei alles in Ordnung, musst du diese Sache aufrichtig fühlen und heilen. Denn du kannst nichts heilen, was du nicht fühlst. Unsere Emotionen geben Hinweise auf unsere Bedürfnisse. Die Abhängigkeit von äußeren Dingen deutet auf die Leere unseres Selbst hin.
Der Weg zu dir selbst
Joseph Campbell schrieb: „Wenn du dem Weg eines anderen folgst, wirst du dein Potenzial nie erkennen… Die Erfahrung deines Lebens ist das Privileg zu wissen, wer du bist“. Sich selbst zu verstehen ist der Beginn der Weisheit. Die Auflösung der gedanklichen Trennung zwischen Körper, Seele und Geist ist dafür ein wichtiger Anfang.
Unser Körper hat seine eigene Intelligenz und die Kunst besteht darin, diese wieder wahrzunehmen. Es gibt eine wachsende Zahl von Studien, die die Wechselwirkung unseres Denkens und unserer körperlichen Reaktion bestätigen. So werden beispielsweise unausgesprochene negative Emotionen und Spannungen zwischen Hirn, Herz und Darm entlang des Vagusnervs hin und her übertragen.
Die Shaolin-Weisheit
Es gibt die Sage eines Mannes, der ins Shaolin-Kloster ging, um dort die Kampfkunst von den großen Meistern zu lernen. Er fragte den ältesten Meister, wie lange er denn brauche, um die Kampfkunst in der gleichen Perfektion wie er zu lernen. Der Meister betrachtete ihn und sagte nach einer Weile: „10 Jahre“.
Der Mann erwiderte ungeduldig: „Aber ich werde sehr hart arbeiten, voller Ehrgeiz alles geben, was ich habe. Ich werde härter trainieren als die anderen und alles dafür tun, dass ich der beste Schüler bin. Wie lange brauche ich dann, um Meister zu werden?“.
Der große Meister blickte den Schüler an und sagte: „Nun, in diesem Fall sind es 20 Jahre“.
Diese Geschichte zeigt, dass wir manches nicht erzwingen können und uns auf den Prozess und den jeweiligen Moment einlassen müssen.
Du erschaffst deine Realität
Nicht deine äußere Welt erschafft deine innere Welt, sondern deine innere Welt erschafft deine äußere Welt. Wenn du dies verinnerlichst, erkennst du, welche enorme Verantwortung du für dich und welche Möglichkeiten du in deinem Leben hast.
In der Quantenphysik gibt es den Beobachtereffekt. Das berühmte Doppelspaltexperiment zeigt, dass die Art und Weise, wie die Welt erscheint und sich verhält, davon abhängt, ob und wie wir sie betrachten. Der Physiker Pascual Jordan, der mit dem Quantenguru Niels Bohr zusammengearbeitet hat, drückte es so aus: „Beobachtungen stören nicht nur, was gemessen wird, sie erzeugen es auch.“ Mit anderen Worten: Wir selbst produzieren die Ergebnisse. Wenn man das versteht, wird uns bewusst: Wir alle erschaffen unsere Realität.
Praktische Schritte zur Sinnfindung
Schritt 1: Loslassen
Schreibe eine Liste von Dingen auf, mit denen du fertig bist und die du loslassen willst. Alle Gewohnheiten, Abhängigkeiten, Vermeidungsmuster, fehlende Grenzen oder destruktiven Verhaltensweisen, die du bereit bist, endgültig loszulassen. Zerknülle dieses Papier und verbrenne es.
Schritt 2: Anziehen
Schreibe eine zweite Liste mit all den Dingen, was du anziehen, erschaffen, tun und in dein Leben bringen willst.
Schritt 3: Die FEAR-Formel nutzen
Hast du dein Ziel klar gefasst, kannst du zur Erreichung die FEAR-Formel nutzen:
- Focus (Fokus)
- Emotional Involvement (Emotionale Beteiligung)
- Agitation (Erregung)
- Repetition (Wiederholung)
Bei der Zielerreichung ist eine Veränderung deiner täglichen Routinen und der äußeren Umgebung wichtig, da so deinem Gehirn signalisiert wird, dass es sich um eine neue Situation handelt. Visual Boards und das Führen eines Tagebuchs sind hierbei entscheidende Schlüssel.
Studien haben herausgefunden, dass diejenigen ihre Ziele besser und nachhaltiger erreichen, die die Belohnung für die Zielerreichung verzögern. Es gibt einen Unterschied zwischen Gewohnheit und Disziplin: Disziplin ist nur für eine kurze Zeit notwendig, um daraus eine neue Gewohnheit zu machen.
Manchmal erlauben wir uns erst, ehrlich und groß zu denken, wenn wir die Perspektive verändern. Was würdest du tun, wenn du in deine Traum-Stadt und dein Traum-Land ziehen würdest?
Das Leben will gelebt werden
Am Ende steht die Erkenntnis, dass dein Leben von dir gelebt werden will. Ich glaube, dass dies der eigentliche Schlüssel ist: Zu erkennen und zu akzeptieren, wer du wirklich bist und zu lieben, was du tust. Denn der Sinn des Lebens ist das freudvolle, glückliche Leben selbst – in genau diesem jeweiligen Moment.
Du möchtest nicht nur verstehen,
sondern wirklich etwas verändern?
Erkenntnisse sind oft der erste Schritt. Wirkliche Veränderung entsteht jedoch dann, wenn aus neuen Perspektiven klare Entscheidungen und konsequentes Handeln werden. Genau dabei begleite ich Menschen im persönlichen Coaching.








