Selbstbild und Fremdbild
„Das ist es, worauf wahre Liebe hinausläuft – einen Menschen so sein zu lassen, wie er wirklich ist. Die meisten Menschen lieben dich für das, was du vorgibst zu sein. Um ihre Liebe zu erhalten, musst du weiter so tun, als ob du es wärst – dich verstellen. Du darfst deine Verstellung lieben. Es ist wahr, wir sind in einem Bild gefangen, einem Schauspiel – und das Traurige ist, dass die Menschen sich so sehr an ihr Bild gewöhnen, dass sie an ihren Masken hängen. Sie lieben ihre Ketten. Sie vergessen ganz, wer sie wirklich sind. Und wenn man versucht, sie daran zu erinnern, hassen sie einen dafür, weil sie das Gefühl haben, man wolle ihnen ihren wertvollsten Besitz wegnehmen.“
– Jim Morrison –
Unser Ich ist eine Sammlung der Vergangenheit. Wir glauben oft, dass wir uns gut kennen und genau wissen, wer wir sind. Doch unser Selbstbild entspricht nicht immer unserem wahren Potenzial, unseren innersten Motiven und Werten und unserem ursprünglichen Sein. Unser Selbstbild resultiert häufig aus unserer Erziehung, bestimmten Glaubenssätzen, Erfahrungen, Feedback von anderen, Traditionen, Medien- und Werbekonsum und früheren Entscheidungen. Und irgendwann glauben wir an dieses Selbstbild, ohne es weiter zu hinterfragen oder zu sehen, ob wir uns ggf. entwickelt haben. Und da eines der stärksten Kräfte der menschlichen Persönlichkeit das Bedürfnis ist, in Übereinstimmung zu bleiben, wie wir uns selbst definiert haben, fallen Veränderung und ein neuer Blick auf uns selbst oft so schwer. Oft unternehmen wir selbst Vieles, um an diese Version unserer Selbst zu glauben, zu groß ist unsere Angst, dass wir nicht mehr wissen, wer wir wirklich sind, wenn wir das Vertraute unseres Selbst verlassen.
Im Laufe der Zeit lehnen wir bestimmte Dinge ab , weil wir „das nicht sind“ oder sie „nicht zu uns passen“. Man folgt der inneren Erwartung, dem eigenen Selbstbild zu entsprechen und sich so zu verhalten, wie es zu den eigenen Überzeugungen passt. Doch wenn wir erkennen, wer wir wirklich sind, hören wir auf, unserem alten Selbstbild und den Erwartungen anderer entsprechen zu wollen.
Also wer sind wir wirklich und was treibt uns in unserem Inneren an, wenn wir den oft veralteten Stand unseres Selbstbildes und die Erfüllung der vermeintlichen Erwartung unseres Umfeld aufgeben?
Selbstbild und Fremdbild sind dabei zwei wichtige Aspekte unserer Persönlichkeit, die sich gegenseitig beeinflussen. Das Selbstbild ist die Vorstellung, die wir von uns selbst haben. Das Fremdbild ist die Vorstellung, die andere von uns haben. Verschiedene psychologische Ansätze beschäftigen sich mit der Entwicklung des Selbstbildes. Die Sozialpsychologie betont die Rolle sozialer Vergleiche, während die Persönlichkeitspsychologie individuelle Unterschiede berücksichtigt.
Eine realistische Selbstwahrnehmung ist der Schlüssel zu psychischer Gesundheit und persönlichem Erfolg.
Anlage, Umwelt, Selbststeuerung
Unsere genetischen Anlagen (Anlage), Umweltfaktoren (Umwelt) und unsere individuelle Selbstgestaltung (Selbststeuerung) beeinflussen unser Selbstbild. Die Anlage bestimmt unsere grundlegenden Eigenschaften, wie unsere Intelligenz, unsere körperliche Konstitution und unsere Temperamentsmerkmale. Die Umwelt, bestehend aus sozialen, kulturellen und physischen Einflüssen, beeinflusst unser Selbstbild durch unsere Erfahrungen mit anderen Menschen, unsere Erziehung und den Medien. Die Selbststeuerung ermöglicht es uns, unser Selbstbild bewusst zu beeinflussen, indem wir aktiv unsere Umgebung gestalten, Entscheidungen treffen und unsere Handlungen kontrollieren.
Schattenanteile
Nach dem Psychoanalytiker Carl Gustav Jung stehen unserem positiven bewussten Selbstbild eine unbewusste Schattenseite gegenüber, aus der heraus sowohl negative als auch positive Entwicklungsimpulse kommen. Als „Schatten“ werden Persönlichkeitsaspekte bezeichnet, die wir im Laufe unseres Lebens – meistens in der Kindheit – verdrängt haben und die wir aus unserem Leben abgespalten haben (Schattenanteile). Unsere Schattenanteile sind Anteile, die wir selbst leugnen und bei denen wir fürchten, dass wir nicht mehr geliebt werden, wenn wir sie leben. Oft lehnen wir das bei anderen ab, was wir uns selbst nicht erlauben. Es erscheint dann irgendwann einfacher, die im Schatten verborgenen Bedürfnisse zu verdrängen und zu leugnen als liebevoll zu akzeptieren oder zu leben. Das bedeutet nicht, dass man jeden verdrängten Anteil leben muss, aber akzeptieren darf, dass wir auch diese Anteile in uns tragen. “What you don’t own, owns you” – „Was du nicht besitzt, besitzt dich“, schrieb Debbie Ford. Denn erst, wenn wir unsere Schattenseiten erkennen und anerkennen, können wir Zufriedenheit, innere Ausgeglichenheit und Freiheit empfinden. Das Ziel der Schattenarbeit ist es, diese verdrängten Persönlichkeitsanteile bewusst zu machen und sie in sein Leben zu integrieren.
Selbstbild
„Unser Selbstbild entscheidet darüber, wozu wir in der Lage sind. Jeder gelangt dorthin, wo er glaubt, hinkommen zu können.“
― Maxwell Maltz –
Das Selbstbild eines Menschen ist eine Sammlung aus Erfahrungen, Werten und Emotionen, die maßgeblich seine Handlungen und Beziehungen prägt. Es ist die innere Landkarte, die den Weg zu Selbstakzeptanz oder Selbstzweifeln weist. Oft geprägt durch äußere Einflüsse, kann das Selbstbild ein dynamischer Prozess sein, der ständig formbar ist. Die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbild ermöglicht nicht nur persönliches Wachstum, sondern auch die Entwicklung einer authentischen Lebensführung. Es ist wie ein Spiegel, der die Vielschichtigkeit der eigenen Persönlichkeit reflektiert und gleichzeitig die Macht innewohnt, das eigene Narrativ zu gestalten. In der Kunst der Selbstreflexion liegt der Schlüssel, um ein starkes, positives Selbstbild zu formen und den eigenen Lebensweg mit Selbstbewusstsein zu gestalten.
Das Selbstbild wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, wie z.B. Erfahrungen, Sozialisation, Einfluss von Medien und unserem Umfeld, unseren Fähigkeiten, Werten und Motiven, unseren Wünschen und Zielen, unserer Körperwahrnehmung und unserer Sinneskanalpräferenz. Die ersten Lebensjahre sind maßgeblich dafür verantwortlich, wie sich unser Selbstbild und unser Selbstwert bilden. Als Kind sehen wir unseren Wert im Spiegel unserer Eltern. Das Gehirn eines Kindes nimmt in den ersten sechs bis sieben Lebensjahren alles, was es erfährt, ungefiltert auf. Die Gehirne in dieser Lebensphase befinden sich fast ausschließlich im Thetawellenbereich, einem Zustand, der bei Erwachsenen meist im Schlaf oder tiefer Hypnose vorkommt. Dieser Zustand ist geprägt davon, dass Informationen ungefiltert aufgenommen werden.
Ein realistisches Selbstbild ist wichtig für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit. Um ein realistisches Selbstbild zu entwickeln, können z.B. unsere Stärken und Schwächen erkennen, Feedback von anderen einholen und Selbstreflexion betreiben.
Selbstbild Analyse Fragen
Auf dem Weg zu einem realistischen Selbstbild können diese Selbstbild-Fragen helfen:
- Was weißt ich mit Sicherheit über mich selbst?
- Welche Werte sind mir wichtig – und warum?
- Was macht mich einzigartig?
- Was sind meine Ziele und Träume?
- Was sind meine größten Herausforderungen?
- Was habe ich in meinem Leben bisher erreicht?
- Wofür bin ich dankbar?
- Was würde ich gerne in meinem Leben ändern?
- Wie möchte ich mich in Zukunft weiterentwickeln?
- Welche Menschen sind mir im Leben wirklich wichtig?
- Wofür stehe ich jeden Morgen auf?
- Was bedeutet Erfolg für mich?
- Was bedeutet ein glückliches Leben für mich?
- Was fällt mir leicht? Was kann ich gut und was weniger?
- Welche Art Freund / Freundin bin ich?
- Welchen Stellenwert haben Geld, Liebe und Freundschaft in meinem Leben?
- Was war der schönste Moment meines Lebens?
- Wer musste ich als Kind sein, um Liebe und Anerkenng zu erhalten?
- Wenn ich von vorne beginnen könnte, was würde ich anders machen?
Auch ein Persönlichkeitstest wie z.B. das Reiss Motivation Profile® oder ein professionelles Life Coaching können hier tiefe Einblicke in unser Selbst geben.
Fremdbild
Das Fremdbild ist das Abbild, das andere Menschen von uns zeichnen – eine Spiegelung, die durch Interaktionen, Beobachtungen und Eindrücke entsteht. Das Fremdbild kann von persönlichen Erfahrungen, sozialen Konventionen und individuellen Perspektiven geprägt sein. Es ist wichtig zu erkennen, dass das Fremdbild oft nicht deckungsgleich mit dem Selbstbild ist.
Fremdbildanalyse
Denn manchmal weicht unsere Selbstwahrnehmung bzw. unser Selbstbild ab von der Fremdwahrnehmung und dem Bild, das andere von uns haben (Fremdbild). In manchen Fällen kann das Selbstbild positiver oder negativer sein als das Fremdbild. Eine solche Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdbild wird als Selbstbild-Fremdbild-Inkongruenz bezeichnet. Um Klarheit über unser Auftreten, unser Kommunikationsverhalten und unsere Wirkung zu haben, bietet es sich an, Menschen, die uns gut kennen und erleben, zu befragen.
Fremdbild Analyse Fragen
- Was sind die drei Dinge, die du an mir am meisten schätzt?
- Wo siehst du mein Potenzial?
- In welchen Bereichen könnte ich mich noch verbessern?
- Wie würdest du mich in einer Konfliktsituation beschreiben?
- Wie würdest du mich in einer stressigen Situation beschreiben?
- Welche meiner Eigenschaften sind dir am meisten aufgefallen?
- In welchen Situationen fühle ich mich wohl?
- In welchen Situationen fühle ich mich unwohl?
- Wie nimmst du mein Freundschafts- / Teamverhalten wahr?
- In welchen Bereichen (Fähigkeiten, Soft Skills, Verhalten etc.) könnte ich mich noch am meisten entwickeln?
- Worin habe ich ein besonderes Talent?
- In welchen Situationen bringe ich meine Stärken besonders ein?
- Wann erscheine ich dir am glücklichsten?
- Was wünscht du mir?
Positive Auswirkungen von Selbstbild und Fremdbild
Ein positives Selbstbild hat viele positive Auswirkungen auf unser Leben. Es kann uns zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen, bessere Beziehungen aufbauen, zu erhöhter Leistungsfähigkeit führen, zu verbessertem Wohlbefinden verhelfen und zu einem selbstbestimmten Leben. Denn wenn wir gar nicht wissen, wer sie wirklich sind, was uns antreibt und was wir für Glück, Gesundheit und Erfolg brauchen. Ein Leben und Arbeiten gegen das eigene Naturell kostet viel Kraft und führt zu Spannungen, Unzufriedenheit, Stress, Kompensation und Süchten. Diese Menschen wissen dann nicht mehr, wofür sie stehen, warum sie tun, was sie tun, und werden dahingehend irgendwann zum Spielball der Interessen, Erwartungen und Entscheidungen von Dritten.
Du möchtest nicht nur verstehen,
sondern wirklich etwas verändern?
Erkenntnisse sind oft der erste Schritt. Wirkliche Veränderung entsteht jedoch dann, wenn aus neuen Perspektiven klare Entscheidungen und konsequentes Handeln werden. Genau dabei begleite ich Menschen im persönlichen Coaching.








