Was ist positive Psychologie?
Die Positive Psychologie bietet einen Ansatz, der sich auf die Förderung des Positiven und die Stärkung unserer mentalen Gesundheit konzentriert. Indem wir die Prinzipien der positiven Psychologie in unseren Alltag integrieren, können wir unser Glücksempfinden steigern und eine positive Lebenshaltung entwickeln.
Denn die positive Psychologie trägt dazu bei, unser Glück und emotionales Wohlbefinden zu fördern. Dazu hilft sie, unsere Stärken zu nutzen, unsere Dankbarkeit und unser Bewusstsein zu schärfen, uns mit anderen zu verbinden und die Weisheit zu entwickeln, die wir für ein sinnvolleres und erfüllteres Leben brauchen.
Eine moderne Definition der positiven Psychologie lehnt die kurzlebigen Freuden des Materialismus und des „Gewinnens“ ab und konzentriert sich stattdessen auf die bewusste Kultivierung von Zufriedenheit und Wohlbefinden. Sie ermutigt dazu, die eigenen Stärken zu nutzen und sich mit anderen zu verbinden, um ein gesteigertes Gefühl der Dankbarkeit und das damit verbundene Glück zu erreichen. Durch das Streben nach diesen Eigenschaften eröffnen sich die Vorteile der positiven Psychologie: die Fähigkeit, das Gute im Leben zu genießen, indem man Zeit mit geliebten Menschen verbringt und wahre Freude in den Dingen findet, die als bedeutsam erachtet werden.
Der „Hedonic Treadmill“-Effekt: Mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Glück?
Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass mehr Geld und Erfolg automatisch zu mehr Selbstbewusstsein und Glück führen. Jedoch bestätigt der sogenannte „Hedonic Treadmill“-Effekt, auch als „hedonistisches Hamsterrad“ bekannt, dass dies nicht der Fall ist. Menschen, die einen Karriereschritt gemacht haben oder einen Lottogewinn erzielen, zeigen oft nur vorübergehend gesteigertes Glücksempfinden. Nach etwa drei Monaten kehren sie wieder zu ihrem ursprünglichen Glücksniveau zurück. Sowohl die Glücksforschung als auch die positive Psychologie untersuchen dieses Phänomen des „Grenznutzen des Geldes“, um nachhaltigere Wege zum Glück zu finden.
Der Wirtschaftswissenschaftler Richard Easterlin hat das Glück-Einkommen-Paradoxon erstmals in den 1970er Jahren untersucht. Er zeigte, dass Geld glücklich macht, aber nur bis zu dem Punkt, an dem die Grundbedürfnisse erfüllt sind.
Auch sollte man meinen, dass Jugend glücklich macht, aber Menschen in ihren 80ern schätzen ihr psychisches Wohlbefinden sogar nicht selten höher ein als Menschen in ihren 20ern. Kinder zu haben, soll Freude machen, aber der zusätzliche Stress, den die Pflege von Kindern mit sich bringt, kann zu Unzufriedenheit in der Ehe führen.
Hedonistisches und eudämonistisches Wohlbefinden
Hedonic: Neuen Forschungsergebnissen zufolge kann das Schenken von nur 5 Dollar an andere Menschen das Wohlbefinden des Schenkenden signifikant steigern. Das ist die Erkenntnis von Harvard Business School Professor Michael Norton und zwei Kolleginnen von der University of British Columbia, Elizabeth Dunn und Lara Aknin, über das Geheimnis des Glücks. “Unsere Arbeit unterstützt diese Annahme und zeigt, dass die Art und Weise, wie Menschen ihr Geld ausgeben, mindestens genauso wichtig ist wie die Höhe ihres Einkommens”, so die Forscher.
Eudaimonic: Neben den hedonischen Aspekten des Glücks spielt auch das eudaimonische Wohlbefinden eine zentrale Rolle in der positiven Psychologie. Dieses Konzept betont das Streben nach einem sinnvollen und erfüllten Leben, das über das bloße Erleben von Freude und Vergnügen hinausgeht. Studien zeigen, dass Aktivitäten, die persönliche Werte und langfristige Ziele unterstützen, wie Freiwilligenarbeit oder das Erlernen neuer Fähigkeiten, zu tieferem und nachhaltigerem Wohlbefinden führen. Indem Menschen sich auf solche sinnstiftenden Aktivitäten konzentrieren, können sie nicht nur ihr eigenes Glück steigern, sondern auch einen positiven Einfluss auf ihre Gemeinschaft und die Gesellschaft als Ganzes ausüben.
Martin Seligman: Positive Psychologie
Martin Seligman, einer der führenden Psychologen und Pioniere der positiven Psychologie, hat maßgeblich zur Entwicklung und Verbreitung dieses Forschungsfeldes beigetragen. Er prägte den Begriff „Flourishing“ und legte den Schwerpunkt darauf, wie Menschen ihr volles Potenzial entfalten und ein erfülltes Leben führen können. Durch seine Arbeit hat Seligman zahlreiche Studien und Ansätze entwickelt, um positive Emotionen, Charakterstärken und das Streben nach Bedeutung und Zweck zu fördern, und damit einen bedeutenden Einfluss auf das Verständnis und die Anwendung der positiven Psychologie in verschiedenen Lebensbereichen.
Die positive Psychologie fokussiert sich nicht nur auf oberflächliches Glück, sondern legt ihren Schwerpunkt auf Sinn und tiefe Zufriedenheit im Leben. Martin Seligman hat verschiedene Visionen des glücklichen Lebens entwickelt. Dazu gehören das Pleasant Life, das das Glück nach Hollywood-Maßstäben beschreibt, das Good Life, das sich auf persönliche Stärken und Engagement konzentriert, und das Meaningful Life, das einen Sinn und Zweck betont. Positive Psychologen haben eine Vielzahl von Erfahrungen und Verhaltensweisen untersucht, die mit diesen verschiedenen Versionen des positiven Lebens in Verbindung stehen. Dazu zählen spezifische positive Emotionen, das Erleben von „Flow„-Zuständen sowie das Streben nach Sinn und Zweck im Leben.
Charakterstärken und Werte: Der Schlüssel zum Wohlbefinden
Ein zentraler Aspekt der positiven Psychologie liegt im Rahmen der individuellen Charakterstärken. Dieser Rahmen basiert auf der Klassifizierung „Values in Action“ (VIA), die von den Psychologen Peterson und Seligman entwickelt wurde. Er umfasst 24 verschiedene Charakterstärken, die in sechs „Tugenden“ unterteilt sind: Weisheit, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz. Indem wir unsere eigenen Stärken erkennen und kultivieren, können wir unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit steigern.
Das PERMA-Modell: Fünf Elemente für ein erfülltes Leben
Dr. Martin Seligman, oft auch als Vater der Positiven Psychologie bezeichnet, hat das PERMA-Modell entwickelt. Es definiert fünf Elemente, die dazu beitragen können, ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. PERMA ist hierbei ein Akronym und steht für Positive Emotionen, Engagement, Relationships (Beziehungen), Meaning (Sinn) und Achievement (Zielerreichung).
Positive Psychologie 5 Säulen
Positive Emotionen
Das Erleben von Freude, Begeisterung und Dankbarkeit kann unser Glücksempfinden steigern und uns positive Energie geben.
Engagement
Wenn wir uns leidenschaftlich in eine Aktivität vertiefen, die uns erfüllt, erleben wir Flow und Zufriedenheit.
Beziehungen (Relationships)
Die Bedeutung von Beziehungen und sozialen Kontakten für unser Wohlbefinden ist enorm. Eine unterstützende Gemeinschaft kann uns Freude, Unterstützung und ein Gefühl der Zugehörigkeit geben.
Sinn (Meaning)
Das Streben nach Sinn, einem höheren Zweck und die Suche nach Bedeutung in unserem Leben können uns ein Gefühl der Erfüllung geben und uns über uns selbst hinauswachsen lassen.
Erfolg (Achievement)
PERMA-V
Das Erreichen von Zielen und das Erleben von Erfolgserlebnissen stärken unser Selbstvertrauen und unser Wohlbefinden.
In jüngerer Zeit wurde das Modell häufig um die Komponente der körperlichen Vitalität (Vitality) erweitert, was zum sogenannten PERMA-V-Modell führte. Diese Ergänzung betont, wie eng körperliches Wohlbefinden mit mentaler Gesundheit und einem zufriedenen Leben verbunden ist, und unterstreicht die wachsende Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes in der Positiven Psychologie.
Die Positive Psychologie im Alltag nutzen
Um die Positive Psychologie in unserem Alltag zu nutzen, können wir verschiedene Strategien anwenden:
- Pflege positive Beziehungen: Investiere Zeit und Energie in deine Beziehungen zu Familie, Freunden und Kollegen. Zeige Dankbarkeit und Wertschätzung für ihre Unterstützung.
- Fokussiere dich auf Stärken: Erkenne und nutze deine individuellen Charakterstärken. Finde Wege, diese Stärken in verschiedenen Lebensbereichen einzusetzen und weiterzuentwickeln.
- Praktiziere Achtsamkeit: Nimm dir bewusst Zeit für Momente der Ruhe und Selbstreflexion. Achtsamkeitsübungen wie Meditation oder Tagebuchschreiben können helfen, das Positive im Leben zu erkennen und Stress abzubauen.
- Finde Bedeutung und Sinn: Frage dich, was dir wirklich wichtig ist und welchen Beitrag du leisten möchtest. Finde Wege, um deinem Leben einen höheren Sinn zu geben und verfolge Ziele, die deinem Leben Bedeutung verleihen.
- Kultiviere positive Emotionen: Übe dich darin, dankbar zu sein und positive Erlebnisse bewusst wahrzunehmen. Fokussiere dich auf das Gute in deinem Leben und lasse positive Emotionen bewusst zu.
Dankbarkeit
Es ist bewiesen worden, dass sich die eigene Zufriedenheit drastisch verändern kann, wenn man sich dem Positiven zuwendet. Wir können nicht gleichzeitig einen positiven und einen negativen Gedanken denken. Dieses Prinzip basiert auf Forschungen der positiven Psychologie. Eine Studie aus dem Jahr 2003 (Emmons / McCullough) beispielsweise bestätigte, dass das tägliche Führen eines Dankbarkeitstagebuches zu einer Reihe von positiven Veränderungen führt: Weniger psychischer Schmerz und Leiden, besserer Schlaf, gesteigertes Wohlbefinden sowie die Fähigkeit, mit Veränderungen besser umgehen zu können. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren (fMRI functional Magnetic Resonance Imaging) wurde 2008 erforscht, dass „Dankbarkeit“ eine direkte, messbare positive Auswirkung auf unser Gehirn hat (genau genommen auf den Hypothalamus). Dankbarkeit setzt Dopamin frei und führt zu einer selektiven Wahrnehmung, bei der wir verstärkt nach weiteren Dingen Ausschau halten, für die wir dankbar sein können. Dankbarkeit trägt zur Gesunderhaltung aller wichtigen Organe bei. „Nicht das Glück macht dankbar, sondern Dankbarkeit macht glücklich“, wie es in „Das Buch der Freude“ heißt. Dankbarkeit kann unsere Vergangenheit in Weisheit transformieren. Wir können in unseren Erfahrungen Weisheit finden. Rückblickend erkennen wir oft in unseren dunkelsten Momenten unser hellstes Licht, unser volles Potenzial und neue Möglichkeiten.
Die Psychologieprofessorin und Autorin Dr. Sonja Lyubomirsky hat herausgefunden, dass wir mit unseren Gedanken, Entscheidungen und Handlungen unser Empfinden an Freude bewusst beeinflussen und aktiv steuern können. Auch andere Forschungen bestätigen, dass mit Disziplin und zielgerichteter Aufmerksamkeit eine enorme Verbesserung des allgemeinen Lebensgefühls möglich ist. In einer Studie führten die Teilnehmer für sieben Tage ein Dankbarkeitstagebuch. Das erstaunliche Ergebnis dieses Experiments war nicht nur die zu erwartende Steigerung des Glücksempfindens, sondern auch, dass dies noch nach einem Monat anhielt.
Experiment: Ochsner Health System
Das Ochsner Health System, eines der größten gemeinnützigen Gesundheitssysteme in den USA, führte eine Initiative durch, um die Atmosphäre in seinen Einrichtungen zu verbessern. Ziel war es, nicht nur medizinische Versorgung auf höchstem Niveau zu gewährleisten, sondern auch eine Umgebung zu schaffen, in der sich Patienten und Besucher willkommen und wohl fühlen. Dafür setzten sie auf drei einfache Verhaltensweisen: Mitarbeitende wurden dazu angehalten, bei einer Distanz von etwa drei Metern Blickkontakt herzustellen und zu lächeln. Kam jemand auf eineinhalb Meter heran, folgte ein freundlicher Gruß. Zusätzlich führte man eine „No-Venting“-Regel ein, die während der Arbeitszeit negative Gespräche und Klagen untersagte. Diese kleinen, aber konsequent umgesetzten Änderungen führten zu einer deutlich spürbaren Verbesserung des Erlebnisses für Patienten und einem positiveren Arbeitsumfeld für die Belegschaft.
Du möchtest nicht nur verstehen,
sondern wirklich etwas verändern?
Erkenntnisse sind oft der erste Schritt. Wirkliche Veränderung entsteht jedoch dann, wenn aus neuen Perspektiven klare Entscheidungen und konsequentes Handeln werden. Genau dabei begleite ich Menschen im persönlichen Coaching.








