Gene und Persönlichkeit

Die Persönlichkeit eines Menschen ist ein Muster aus Handlungen, Gefühlen, Bewegungen und der Art zu kommunizieren. Die Persönlichkeit wird im Wesentlichen von vier Einflusskräften geformt:

  • Den Erbanlagen
  • Der Hirnentwicklung
  • Den vor- und nachgeburtlichen Erlebnissen
  • Der Sozialisation

Was sind die bestimmenden Faktoren unserer Persönlichkeit?

  • Genetik
  • Erfahrungen
  • Motive
  • Werte
  • Glaubenssätze
  • Fähigkeiten + Fertigkeiten
  • Verhalten

Ca. 35 bis 50 Prozent unserer Persönlichkeit sind genetisch vorbestimmt, aber selbst Gene können sich im Laufe unseres Lebens ändern, wie Wissenschaftler herausgefunden haben.

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Unsere Gene verändern sich

Viele Jahre hat man geglaubt, unser genetisches Erbgut würde darüber bestimmen, wer wir sind, wie wir uns fühlen und verhalten und wie gesund wir sind. Doch immer mehr wissenschaftliche Studien belegen, dass die Umwelt, also auch die Erziehung, darüber entscheidet, welche genetischen Anlagen sich entfalten. Die frühkindliche Prägung hinterlässt Spuren im menschlichen Erbgut. Frühere Erfahrungen prägen ein Kind genetisch, biologisch und verhaltensmäßig mehr, als man bisher dachte. Die Genetik sagt, dass jede Erfahrung Einfluss auf Hunderte von Genen hat. In dem wir zu Vorstellungen, Verhaltensweisen und Bewertungen gelangen, die wir tatsächlich wollen, können wir unsere innere Karte des Lebens verändern. In einer Harvard Publikation stand: „Gute Gene sind eine feine Sache, Lebensfreude ist aber besser“. Robert Waldinger, Psychiater und Professor an der Harvard Medical School, schrieb: „Uns hat überrascht, dass unsere Beziehungen und wie glücklich wir darin sind, einen starken Einfluss auf unsere Gesundheit haben… Einsamkeit ist tödlich, und zwar genauso wie Rauchen oder Alkoholismus…“. Andere Studien belegen ebenfalls, dass sich in einer Gemeinschaft aufgehoben zu fühlen oder einen Ehepartner zu haben, der seine Liebe auch zeigt, das Risiko, Herzprobleme zu bekommen, erheblich senkt. Einsamkeit entscheidet folglich nicht nur über emotionale Gesundheit, sondern auch wesentlich über unsere körperliche. Forschungen über die weltweit gesündesten Nationen und deren Ess- und Lebensgewohnheiten haben bestätigt, dass vor allem diejenigen gesund sind, die in Gemeinschaft essen und leben. Chronische Einsamkeit bringt unser Hormon- und und Nervensystem aus der Balance. “Alleinsein kann es erst geben, wenn die Einsamkeit aufgehört hat“, sagte Jiddu Krishnamurti.

Interessant sind Forschungen darüber, dass Menschen mit multipler Persönlichkeitsstörung Allergien in den Phasen nicht mehr haben, wenn sie glauben, eine andere Person zu sein. Auch Experimente mit Tiefenhypnose ergaben, dass bestimmte Allergien und Unverträglichkeiten nicht mehr auftraten, wenn die Person in Trance glaubte, eine andere Person zu sein.

Unsere Erfahrungen verändern unsere DNA

Unsere Gene steuern uns, aber wir steuern auch unsere Gene, durch Erziehung, durch Lebensstil, durch geistige und körperliche Aktivität, durch unseren Umgang mit Menschen. Das Umfeld entscheidet mit, welche Anlagen sich entfalten. Auch die Forschung an eineiigen Zwillingen hat eindrucksvoll bewiesen, dass sich zwei Menschen trotz identischem Erbgut unterschiedlich entwickeln können. Zwei Drittel aller eineiigen Zwillinge durchlaufen bei gleichem Genom eine unterschiedliche Entwicklung.

Im Rahmen einer Untersuchung über die Einflussfaktoren der Umgebung und Umwelt auf die Persönlichkeit und Entwicklung des Menschen untersuchte ein Team vor einigen Jahren die Geschichte zweier Brüdern aus den USA. Die Brüder waren Zwillinge. Die Eltern der beiden waren Alkoholiker, der Vater war gewalttätig, hatte mehrere Straftaten begangen und saß im Gefängnis.
Der eine der beiden Brüder ist im Laufe seines Lebens wie sein Vater geworden: Er hatte Alkoholprobleme, wurde straffällig und landete schlußendlich im Gefängnis.
Der andere Bruder hatte einen Job, war verheiratet, hatte zwei Kinder und lebte ein gut bürgerliches Leben in einem Vorort einer großen amerikanischen Stadt. Das Forscherteam war verwundert über die große Diskrepanz dieser Brüder, deren Leben sich bei gleichen Startbedingungen so derart anders entwickelten. Man stellte beiden dieselbe Frage:
“Woran liegt es, dass Sie zu dem geworden sind, was Sie sind?”
Beide antworteten darauf dasselbe: 
a
“Was kann man denn anderes erwarten bei diesen Eltern?”
Der eine Bruder hat seine Eltern unbewusst als Vorbild genommen, sich als Opfer seiner Kindheit und der schlechten Startbedingungen gesehen. Der andere zog daraus die Konsequenz alles daran zu setzen, die Fehler seiner Eltern nicht zu wiederholen, ein ganz anderes Leben zu führen und ein ganz anderer Mensch zu werden. Es war seine Entscheidung!

Die Wissenschaft der Epigenetik bestätigt, dass psychosoziale Einflüsse uns und unsere Gene stark beeinflussen

Das wir nicht Opfer unserer eigenen Gene sind, beweist auch ein mittlerweile berühmt gewordenes Experiment aus dem Jahr 2004, durchgeführt von dem Neurowissenschaftler Michael Meaney und dem Genetiker Moshe Szyf von der McGill University im kanadischen Montreal. In dieser Langzeituntersuchung wurden zwei Arten von Ratten untersucht:

  • Fürsorgliche Rattenweibchen, die ihre Jungen regelmäßig lecken und pflegen (“high licking and grooming mothers”)
  • Wenig bis gar nicht fürsorgliche Rattenmütter, die dies seltener oder gar nicht machen (“low licking and grooming mothers”)

Als die beiden Wissenschaftler Meaney und Szyf das Erbgut der von diesen Rattenweibchen aufgezogenen Jungen untersuchten, stellten sie erstaunliche Unterschiede fest: Bei den von den Müttern vernachlässigten Ratten war ein bestimmtes Gen, welches stressauslösende Hormone reguliert, mit besonders vielen sogenannten Methylgruppen gespickt und damit abgeschaltet. Diese Ratten zeigten sich in der Folge anfälliger für Stress und waren schnell überlastet, wenn man sie vor Herausforderungen stellte. Ganz im Gegensatz zu den behütet aufgewachsenen Rattenbabys, die später darüber hinaus selbst eher fürsorgliche Eltern wurden, während die einstmals vernachlässigten Rattenbabys später selbst zur Kaltherzigkeit neigten.

Interessant an diesem Experiment war auch, dass die Forscher in einem Teil des Experiments die Rattenbabys wie folgt vertauschten:

  • Ratten von “schlechten” Müttern wurden zu den fürsorglichen Rattenmüttern gegeben
  • Ratten der fürsorglichen Mütter wurden zu den “Rabenmüttern” gegeben

Bereits nach wenigen Wochen konnte eine genetische Veränderung bei den jungen Ratten festgestellt werden, unabhängig deren Herkunft. Zu diesem Experiment gibt es einen interessanten TED Talk von Moshe Szyf aus dem Jahr 2016:

Der renommierte Biochemiker, Pharmakologen und Pionier auf dem Gebiet der Epigenetik Moshe Szyf ist überzeugt, “dass das Tiermodell bis zu einem gewissen Grad das widerspiegelt, was bei uns Menschen passiert”. Der Forscher ist überzeugt, dass unseren Genen zwar viele Wesenszüge zugrunde liegen, doch dass sie keinesfalls unbeeinflussbar sind. Laut Moshe Szyf verändert beispielsweise Stress sogar unser gesamtes Genom. “Tatsächlich reagieren sie lebenslang höchst empfindlich auf alle möglichen äußeren Einflüsse”, schreiben die US-Wissenschaftler Gene Robinson, Russell Fernald und David Clayton im Fachblatt “Science”.

Wenn also unser Denken, unsere Umgebung, unsere Erfahrungen und unser Verhalten maßgeblich dazu beitragen, wie wir uns fühlen, welche Ergebnisse wir bekommen und wie gesund wir sind, wächst das innere Gefühl von Handlungsmöglichkeiten, Eigenverantwortung und Selbststeuerung! So kann auch Coaching dazu beitragen, dass Veränderungen im Kern entstehen und für nachhaltige Veränderung und Persönlichkeitsentwicklung sorgen.

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