Attributionsfehler beschreibt die Tendenz, die Ursachen für das Verhalten von anderen Menschen auf bestimmte Eigenschaften oder Merkmale zu reduzieren, ohne die Umstände oder den Kontext zu berücksichtigen. Per Definition ist „Attributionsfehler“ ein Begriff aus der Sozialpsychologie und „bezeichnet die Neigung, den Einfluss dispositionaler Faktoren, wie Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen und Meinungen, auf das Verhalten anderer systematisch zu überschätzen und äußere Faktoren zu unterschätzen“.
Attributionsfehler beziehen sich auf die Bewertung von Verhaltensweisen, sei es das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen, und dass diese auf eine Überbetonung von Persönlichkeitsmerkmalen oder Charakterzügen zurückzuführen sein können, während wichtige situative Faktoren möglicherweise nicht berücksichtigt werden.
Attribution
Attributionen beziehen sich allgemein auf den Prozess, in dem Menschen die Ursachen von Ereignissen, Handlungen oder Ergebnissen zuordnen und erklären. Dabei kann es sich um eigene Handlungen oder das Verhalten anderer Personen handeln. Es geht hierbei also um die Frage, welche Faktoren dazu geführt haben, dass etwas so geschehen ist, wie es geschehen ist.
Attributionsfehler hingegen beschreibt eine spezifische Art der Attribution, bei der die Ursachen von Verhalten und Ereignissen falsch oder unangemessen zugeordnet werden. Es geht also um die Verzerrung oder Vereinfachung der Attribution.
Attributionsfehler: Macht der Umstände
Der fundamentale Attributionsfehler wird auch „Macht der Umstände“ genant beschreibt die erwähnte Tendenz, dass wir das Verhalten einer Person immer in der Persönlichkeit begründet sehen und nicht in den Umständen. Ein Beispiel: Einen unfreundlichen Kellner halten wir oft für unprofessionell, schlecht oder schlicht einen Idioten. Dass er oder sie nur einen schlechten Tag haben könnte, akuter Personalmangel herrscht oder diese Person am Morgen eine schlechte Nachricht bekommen haben könnte, kommt uns selten in den Sinn.
Im Profiling findet bei der Beurteilung jedes nonverbalen Verhaltens vorab diese Beurteilung statt:
1. Was ist der allgemeine Kontext?
2. In welchem Land befinden wir uns?
3. Was geschieht zu diesem Zeitpunkt? (z.B. politische Wahl, Feiertag, wirt-schaftlichen Abschwung usw.)
4. Wie sieht der situative Kontext aus?
5. Wie sieht der unmittelbare Kontext aus? (Ort, Raum, Einrichtung, anwesende Personen, Gesprächsinhalte, Erwartungen, Autoritäten…)
6. Gibt es Umstände, die dieses Verhalten erklären?
Weil-Begründungen
Weil Entscheidungen viel Zeit und Energie kosten, versuchen wir unterbewusst, Denkprozesse zu vereinfachen. Es entstehen Muster, die ohne rationales Nachdenken auskommen. Dabei täuscht uns oftmals unser Gehirn.
Attributionsfehler wenden wir auch sehr oft bei uns selbst an. Das führt zu einer häufigen Verwendung von sogenannten „weil“-Begründungen:
Ich bin allein, weil ich nicht hübsch genug bin.
Ich bin erfolglos, weil meiner Chefin meine offene Art nicht gefällt.
Ich verhalte mich egoistisch, weil ich früher von meinen Eltern schlecht behandelt wurde.
Ich werde immer so wütend, weil ich viele Jahre gemobbt wurde.
Ich kriege keinen guten Job, weil ich Übergewicht habe bin.
Die Erfahrung zeigt jedoch: Viele dieser Weil-Begründungen sind eine falsche, verzerrte oder ungenaue Begründung. Wenn wir uns anders fühlen, aber nicht verstehen, warum, kann dies dazu führen, dass wir uns unwohl fühlen und nach Gründen suchen, um unser Verhalten und unsere Erfahrungen zu erklären. Die Verwendung von „weil“-Begründungen kann uns vermeintlich dabei helfen, eine rationale Erklärung für unser unterbewusstes Verhalten zu finden und uns zu beruhigen, dass wir scheinbar kontrollieren können, wer wir sind, warum wir uns so verhalten und was mit uns passiert.
Konformität
Wenn beispielsweise ein Kind das Verhalten einer anderen Person nicht versteht oder sich anders fühlt und nicht versteht, warum, ist das für das Kind beängstigend und verunsichernd. Wenn das Kind jedoch einen Grund hat – „ich fühle mich anders, weil…“ – dann suggeriert diese Begründung dem Kind Sicherheit und Klarheit. Denn wenn jemand das Gefühl hat, anders zu sein, kann dies zu Unbehagen und Angst führen, da diese Person befürchten könnte, von anderen ausgeschlossen oder abgelehnt zu werden. Menschen neigen daher dazu, sich an die Normen und Erwartungen ihrer Gruppe anzupassen, um diese Angst zu reduzieren. Die psychologische Entsprechung dieser Aussagen ist, dass Menschen eine angeborene Tendenz haben, sich an die Normen und Erwartungen ihrer sozialen Gruppe anzupassen. Diese Tendenz, auch als Konformität bezeichnet, ist ein wichtiger Faktor für das menschliche Überleben, da sie uns dabei hilft, in der Gesellschaft zu funktionieren und von anderen akzeptiert zu werden.
Doch was bleibt, ist eine subjektive, selbstkritische Erklärung. Die Verwendung von falschen „weil“-Begründungen kann auch dazu führen, dass wir unsere Verhaltensweisen und Erfahrungen vereinfachen und stereotype Vorurteile aufrechterhalten. Zum Beispiel kann die Aussage „Ich habe keinen Job, weil ich Übergewicht habe“ zu einem falschen Glauben führen, dass alle Menschen, die übergewichtig sind, keine Arbeit finden können und wir demzufolge machtlos, handlungsunfähig und ohnmächtig sind.
Zudem greifen diese Begründungsmodelle direkt unseren eigenen Selbstwert an. Ferner geben wir uns mit Erklärungen zufrieden, die ggf. weder die Ursache darstellen noch eine Lösung beinhalten. Beispielsweise ist einer der bestechenden Vorteile der auflösenden Hypnose, dass wir hier wahre Ursachen ausfindig machen und an der Wurzel lösen können.
Konsistenz
Eine der stärksten Kraft der menschlichen Persönlichkeit ist das Bedürfnis, in Übereinstimmung zu bleiben, wie wir uns selbst definiert haben. Friedrich Nietzsche schrieb: „Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel.“ Menschliche Entscheidungen und Verhalten sind von dem Bedürfnis geprägt, konsistent zu sein. Konsistenz bedeutet hierbei, an einer einmal getroffenen Entscheidung, Meinung, Urteilen oder Positionen festzuhalten oder in Übereinstimmung mit früherem Verhalten zu handeln. Wir sind dabei bestrebt, von uns selbst und von anderen als konsistent wahrgenommen zu werden. Menschen ändern die Richtung, die ihr Verhalten einmal genommen hat, nicht mehr ohne guten Grund. Für die Beibehaltung dieser Richtung braucht es dagegen keine eigenen Gründe mehr. Auf den Punkt gebracht bedeutet Konsistenz so viel wie Stimmigkeit oder Widerspruchsfreiheit.
Das Konsistenzstreben zeigt, wie wichtig es ist zu hinterfragen, wie wir uns selbst definiert haben und welches Erklärungs- und Begründungsmodell wir dafür angeführt haben. Oft unternehmen wir selbst Vieles, um an diese Version unserer Selbst zu glauben, zu groß ist unsere Angst, dass wir nicht mehr wissen, wer wir wirklich sind, wenn wir das Vertraute unseres Selbst verlassen.
Je weniger wir wissen, wer wir wirklich sind, was uns antreibt und was wir für Glück, Gesundheit und Erfolg brauchen, desto größer die Gefühle von Unzufriedenheit, Abhängigkeit und Ohnmacht. Denn ein Leben und Arbeiten gegen das eigene Naturell kostet viel Kraft und führt zu Spannungen, Unzufriedenheit, Stress, Kompensation und Süchten. Diese Menschen wissen dann nicht mehr, wofür sie stehen, warum sie tun, was sie tun, und werden dahingehend irgendwann zum Spielball der Interessen, Erwartungen und Entscheidungen von Dritten. Je weiter das innere Feuer erlischt, desto mehr begeben wir uns dann in äußere Abhängigkeiten wie Status, Macht, Anerkennung, Erfolg, Geld, schnelle Autos, Sex, Suchtmittel und Co. Menschen hingegen, die sich selbst gut kennen, sind wesentlich besser in der Lage, glücklich zu sein als diejenigen, die sich Illusionen hingeben und glauben, jemand anderes zu sein oder sein zu müssen.
Du möchtest nicht nur verstehen,
sondern wirklich etwas verändern?
Erkenntnisse sind oft der erste Schritt. Wirkliche Veränderung entsteht jedoch dann, wenn aus neuen Perspektiven klare Entscheidungen und konsequentes Handeln werden. Genau dabei begleite ich Menschen im persönlichen Coaching.








