Fear of missing out
Fear of missing out, kurz FOMO, wird die Angst genannt, wir könnten etwas verpassen: Chancen, Erfolge, Freunde, Möglichkeiten, Liebe, Reichtum, Gelegenheiten, Abenteuer… In der heutigen Welt der ständigen Vernetzung und des Informationsüberflusses ist FOMO zu einem weit verbreiteten Phänomen geworden. Verstärkt durch Social Media und der ständigen Präsenz perfekt inszenierter Leben, fürchten wir, dass wir etwas Wichtiges, Lustiges oder Aufregendes verpassen könnten.
Was ist FOMO?
FOMO ist die Abkürzung des englischen Satzes „Fear of Missing Out“, also der Angst, etwas zu verpassen. Es beschreibt das Gefühl der Angst oder Unruhe, etwas Wichtiges oder Erlebenswertes zu verpassen, während man eine andere Aktivität ausführt oder eine Entscheidung trifft. FOMO ist eine emotionale Reaktion, die auf dem Glauben basiert, dass andere Menschen ein erfüllteres oder aufregenderes Leben führen oder dass man selbst wichtige Gelegenheiten verpasst. Diese Angst kann zu einem Gefühl von Unbehagen, Unzufriedenheit, Depression und Stress führen. Insbesondere mit dem Aufkommen der sozialen Medien hat FOMO in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Studien legen nahe, dass es vor allem unter der Millennial-Generation weit verbreitet ist.
Die Psychologie hinter FOMO
Die Angst, etwas zu verpassen, wurzelt in tiefgreifenden menschlichen Bedürfnissen. Unser Sozialverhalten ist stark geprägt vom Wunsch nach Zugehörigkeit und Akzeptanz und der Furcht, ausgeschlossen zu sein. Social Media Plattformen verstärken diese Mechanismen, indem sie uns ständig mit dem Leben anderer konfrontieren und einen verzerrten Eindruck von deren Glück und Erfolg vermitteln. Zudem häufen sich Social Media Posts, die in Appell-Form geschrieben sind und uns suggerieren, wir würden uns falsch verhalten oder uns würde etwas entgehen, wenn wir dieses oder jenes nicht täten:
- „10 Bücher, die du gelesen haben muss“.
- „Warum es dein Leben verändert, wenn du um 5h aufstehst“.
- „5 Dinge, die jeder erfolgreiche Mensch braucht“.
- usw.
Der Vergleich mit den scheinbar perfekten Leben anderer führt zu Neid, Unzufriedenheit und eben der besagten der Angst, etwas zu verpassen oder sich falsch zu entscheiden. Die ständige Flut an Informationen und Bildern erzeugt zudem ein Gefühl der Unruhe und des Zeitdrucks, was die negativen Auswirkungen von FOMO weiter verstärkt.
Darüber hinaus spielen evolutionäre Faktoren eine Rolle. In der Urzeit war es für unser Überleben wichtig, über die Aktivitäten unserer Gruppe informiert zu sein. FOMO ist so gesehen eine Art Überbleibsel dieses Instinkts, der uns heute dazu treibt, ständig am Puls der Zeit sein zu wollen.
Fünf wesentliche Pfeiler tragen zu Unzufriedenheit, Unsicherheit und Unglück bei:
- Zu hoher Anspruch
- Permanentes Vergleichen, Bewerten & Orientieren an anderen
- Verallgemeinerungen
- Ein Gefühl von Minderwertigkeit
- Stete Unentschiedenheit
Fear of missing out und Social Media
Fear of missing out findet im Zeitalter der sozialen Medien einen Nährboden, der aus ständigem Vergleich und dem Streben nach Anerkennung resultiert. Plattformen wie Instagram, Facebook und Snapchat präsentieren uns tagtäglich Ausschnitte aus dem Leben anderer, die oft idealisiert und perfektioniert wirken. Diese sorgfältig kuratierten Einblicke erzeugen ein verzerrtes Bild der Realität und schüren das Gefühl, etwas zu verpassen, während andere scheinbar ein glücklicheres und aufregenderes Leben führen. So erwächst ein Irrglaube, alles tun, alles erreichen und alles sein zu müssen. Und in jedem Fall keinen Zeit zu verschwenden und uns niemals falsch zu entscheiden…
FOMO Marketing
Unternehmen haben die Macht von FOMO erkannt und nutzen sie gezielt als Marketingstrategie. FOMO Marketing zielt darauf ab, Konsumenten durch zeitlich begrenzte Angebote, exklusive Inhalte und den Hinweis auf die Beliebtheit eines Produkts zum Kauf zu animieren. Der unterschwellige Appell lautet: „Sei dabei, bevor es zu spät ist!“, „sei nicht die einzige, der nicht mitmacht“ und „Verpasse nicht die Chance auf etwas Einzigartiges!“.
Auswirkungen von FOMO
Menschen, die unter FOMO leiden, können Schwierigkeiten haben, sich zu entspannen oder im Moment zu leben, da sie ständig darüber nachdenken, was sie verpassen könnten. Langfristig kann dies zu einem Gefühl der Überlastung und Erschöpfung führen. Fear of missing out kann auch zu Misserfolg beitragen, weil mit FOMO immer weniger Aufgaben, Ziele und Entwicklungen bis zur erfolgreichen Realisierung verfolgt werden und der eigene Weg mehr wie ein Schlingerkurs aussieht.
Die Symptome von FOMO können subtil sein, aber sie können einen erheblichen Einfluss auf unser geistiges Wohlbefinden, unsere Lebensqualität und Ziele haben. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Ständiges Drücken, um den Social-Media-Feed zu aktualisieren
- Unruhe und Angst, etwas zu verpassen
- Neid auf das Leben anderer Menschen
- Schwierigkeiten, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren
- Gefühl der Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben
FOMO kann zu einer Reihe negativer Auswirkungen führen, wie z. B.:
- Erhöhter Stress und Angst
- Depressionen und Stimmungsschwankungen
- Schlafstörungen
- Suchtverhalten
- Isolation und Vernachlässigung von Beziehungen und Verantwortlichkeiten
Weiterbildungsmarkt: Der Wahnsinn der ständigen Selbstoptimierung
Der Weiterbildungsmarkt in Deutschland erlebt einen wahren Boom. Die Anzahl der Buchveröffentlichungen im Bereich Sachbuch und Ratgeber ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Allein im Jahr 2022 erschienen in Deutschland über 71.000 Neuerscheinungen in diesem Bereich.
Zusätzlich dazu gibt es eine Unmenge an Workshops, Online-Kursen, Seminaren und Webinaren, die alle versprechen, uns zu Expert*innen in einem Fachgebiet zu machen oder neue Fähigkeiten zu vermitteln.
Dieser ständige Strom an neuen Informationen und Lernmöglichkeiten kann zu einem Gefühl der Überforderung, des Zeitdrucks und der Minderwertigkeit führen. Die Angst, etwas zu verpassen oder den Anschluss zu verlieren, treibt uns dazu, ständig weiterzulernen und neue Kurse zu belegen. Hast du das Buch XY noch nicht gelesen? Warst du noch nicht beim Workshop von XY? Kennst du noch nicht den neuesten TED Talk von…? Die Angst, etwas zu verpassen, wird als Bedrohung empfunden. Nach dem Grundsatz: Wenn ich dieses eine Buch gelesen habe, den einen Workshop besucht habe, dass eine Video gesehen habe, dann… Doch jede Form der Abhängigkeit führt irgendwann zu Leid. Dieses Wenn-dann-Spiel können wir schier ewig spielen und verschieben das, was wir wirklich wollen, immer auf Morgen. Ich persönlich glaube nicht an diese „Wenn, …dann“-Strategien, denn sie funktionieren einfach nicht. Es gibt immer noch wenigstens ein Wenn, das uns vom Dann abhält.
Die größte Erfolgslüge ist „ich bin noch nicht so weit“. Wie Laura Malina Seiler sagt: Wenn wir nicht jetzt schon dankbar sind für das, was wir haben, werden wir auch nicht dankbar sein, wenn wir das bekommen, was wir wollen. Denn das, was wir jetzt haben, war mal etwas, das wir wollten.
Freudvoll ein Buch zu lesen oder aus Lust und Neugier ein Seminar zu besuchen, ist wunderbar, solange wir nicht denken, dass wir dies zwingend für unser Glück, den eigenen Selbstwert und unseren Erfolg brauchen und das Leben bis dahin vertagen. Menschen ersetzen negative Süchte oft durch positive und definieren sich darüber, was sie sich erschaffen haben. Sobald wir also Weiterbildung, Bücher o.ä. vorwiegend dafür nutzen, um unser eigenes Mangeldenken zu kompensieren und um unseren belastenden Emotionen auszuweichen, da wir befürchten, sie nicht aushalten zu können, flüchten wir vor uns selbst.
Anstatt blind jedem Trend zu folgen und ständig neue Kurse zu belegen, sollten wir uns fragen, welche Weiterbildungen wirklich zu unseren Bedürfnissen und Zielen passen.
Tipps im Umgang mit FOMO
Die gute Nachricht ist, dass es Möglichkeiten gibt, mit FOMO umzugehen und seine negativen Auswirkungen zu reduzieren. Hier sind einige Tipps:
- Schränke deine Social-Media-Nutzung ein: Reduziere die Zeit, die du auf Social Media verbringst, und versuche, dich von Plattformen zu distanzieren, die FOMO besonders stark hervorrufen.
- Konzentriere dich auf deine eigenen Erfahrungen: Anstatt dich mit dem Leben anderer zu vergleichen, konzentriere dich auf deine eigenen positiven Erfahrungen und erreiche Ziele.
- Praktiziere Dankbarkeit: Nimm dir Zeit, um die Dinge in deinem Leben zu schätzen, für die du dankbar bist.
- Verbringe Zeit mit Menschen, die du magst: Pflege deine Beziehungen zu Familie und Freunden, die dir Unterstützung und ein Gefühl der Zugehörigkeit geben können.
- Mach eine Persönlichkeitsanalyse: Erkenne, wer du wirklich bist und was du für Glück, Erfolg und Zufriedenheit wirklich brauchst.
- Führe Tagebuch: Durch ein Glücks-, Erfolgs- oder Dankbarkeitstagebuch kannst du erkennen, was du hast und was dich glücklich und zufrieden macht.
- Definiere deine Ziele: Je klarer du weißt, was du möchtest, desto leichter fällt es dir zu erkennen, was du alles nicht möchtest oder machen musst.
- Sprich mit einem Coach: Wenn FOMO deine Lebensqualität stark beeinträchtigt, kann ein Coach oder Therapeut*in dir helfen, die zugrunde liegenden Ursachen zu verstehen und gesunde Bewältigungsmechanismen zu entwickeln.
Du möchtest nicht nur verstehen,
sondern wirklich etwas verändern?
Erkenntnisse sind oft der erste Schritt. Wirkliche Veränderung entsteht jedoch dann, wenn aus neuen Perspektiven klare Entscheidungen und konsequentes Handeln werden. Genau dabei begleite ich Menschen im persönlichen Coaching.








