Emotionsregulation

Emotionsregulation - Erfolgreiches Emotionscoaching und effektives Emotionsmanagement

Emotionscoaching

Unser Leben wird von einer unsichtbaren Kraft bestimmt: Emotionen. Obwohl Wissen heute nahezu unbegrenzt verfügbar ist, ChatGPT auf alle Fragen eine Antwort zu wissen scheint und für viele die persönliche Weiterentwicklung als oberstes Ziel gilt, entfernen wir uns zunehmend von unseren wahren Emotionen. Denn es reicht in der Regel nicht, innere Treiber und daraus resultierende emotionale Reaktion rein intellektuell zu verstehen.

Gefühle sind zwar oft ein schlechter Indikator für die Realität, dennoch bestimmen sie den Filter unserer Wahrnehmung – und damit unsere Handlungen und Entscheidungen. So wie wir uns fühlen, nehmen wir unsere Welt wahr. Forschungen bestätigen, dass beispielsweise Angst unsere emotionale Sensibilität erhöht – wir achten in diesem Zustand verstärkt auf die Emotionen anderer. Doch dabei kann es zu Fehlinterpretationen kommen: Wohlwollende oder neutrale Gesichtsausdrücke werden mit diesem emotionalen Filter eher als Wut, Verachtung oder Ablehnung wahrgenommen.

Lange Zeit ging man davon aus, dass Menschen Emotionen auf dieselbe Weise empfinden und ausdrücken. Neuere, differenzierte Forschungen zeigen jedoch: Es gibt kein einheitliches, universelles Emotionskonzept. Gefühle sind immer individuell geprägt – durch unsere Erfahrungen, unsere Kultur und unsere persönliche Biografie.

Ratgeber-Kultur

Wir sind eine Ratgeber-Gesellschaft geworden, in der fast jeder jedem ungefragt Tipps für das Leben anderer gibt. Social Media, Podcasts und Artikel sind voller Anleitungen, was man tun soll und wie man „richtig“ handelt, um dauerhaft motiviert, erfolgreich, gesund und glücklich zu sein. Doch genau hier liegt die Falle: Diese rationalisierte Selbstoptimierung gibt uns die Illusion, wir hätten alles verstanden – ohne wirklich tiefer zu fühlen. Gefährlich ist nicht nur, etwas nicht wirklich zu verstehen – sondern zu glauben, es verstanden zu haben und es dann innerlich abzuhaken. Mit diesem Mindset bleibt die Welt eine Scheibe.

Die Superkraft des 21. Jahrhunderts ist daher: Zuhören. Wahrhaftig, aufrichtig, vorurteilsfrei und ohne sofortige Tipps, Ratschläge und To Dos zu haben.

Wir haben gelernt, negative Emotionen als Störfaktor zu sehen – als etwas, das kontrolliert oder gar ausgeschaltet werden muss, um „klar und positiv“ zu denken und unsere Ziele zu manifestieren. Persönliche Entwicklung wird oft gleichgestellt mit dem Ablegen jeglicher negativer Emotionen und dem sich Befreien von Wut, Neid, Angst oder Trauer. Diese selbst auferlegten Regeln erzeugen oft ein inneres Verbot, negative Gedanken oder Emotionen zuzulassen. Nach dem Motto: Früher war ich oft wütend, heute bin ich voller Dankbarkeit und liebevoll mit mir. Auf diese Weise wird jedes Zulassen eines negativen Gefühls als Rückschritt gewertet.

Dabei sind Emotionen keine Hindernisse, die man einfach so wegrationalisiert oder deckelt, sondern zeigen uns, was uns wirklich wichtig ist, uns antreibt und verbessern unsere Entscheidungsfähigkeit. Neurowissenschaftliche Studien, darunter von Antonio Damasio, belegen, dass ohne emotionale Verarbeitung sinnvolle Entscheidungen kaum möglich sind. Emotionen liefern wichtige Informationen über Risiken, Bedürfnisse und Werte. Wer sie ignoriert, trifft schlechtere Entscheidungen. Wer Emotionen unterdrückt, kappt den Zugang zu seinem wichtigsten inneren Leitsystem und verliert an Klarheit, nicht an Kontrolle. Denn selbst rationale Entscheidungen sind emotional grundiert. Wer seine Emotionen nicht kennt, kennt auch die wahren Motive seiner Entscheidungen nicht.

Oft überlagern wir unterdrückte Emotionen mit neuen Informationen, Ablenkung, Aktivitäten oder Motivationsfloskeln. Doch genau diese Strategie hält das Problem aufrecht, zementiert unsere Verhaltensmuster und verstärkt den inneren Druck. Es ist in Ordnung, ärgerlich, wütend oder genervt zu sein. Wer diese Emotionen auf Dauer einfach verdrängt, schafft innere Konflikte und leugnet die Realität.

Carl Gustav Jung sagte: „Wogegen du dich wehrst, bleibt bestehen.“ Das, was wir unterdrücken, wächst, bis es nicht mehr übersehbar wird. Je mehr Druck wir ausüben, desto stärker wird der Gegenschlag. Auch Sigmund Freud wies darauf hin, dass Unterdrücktes mit umso größerer Wucht wiederkehrt.

Unsichtbare Triebkräfte verzerren die Wahrnehmung

Viele von uns können ihre Gefühle nicht genau benennen. Wir verwenden allgemeine Begriffe wie „gut“ oder „schlecht“, ohne eine differenzierte Wahrnehmung ihrer Emotionen zu haben. Wer aber seine eigenen Gefühle nicht kennt oder ausdrücken kann, hat Schwierigkeiten, sein Verhalten zu verstehen und echte Empathie für andere zu entwickeln. Elite-Athleten unterscheiden präzise zwischen Emotionen wie Angst, Frustration oder Enttäuschung und nutzen deren Botschaften bewusst, anstatt sie zu verdrängen.

Ein Beispiel: Du kommst morgens ins Büro, grüßt einen Kollegen, dieser schaut dich an, grüßt aber nicht zurück. In Sekundenbruchteilen laufen in dir unterbewusste, reflexartige Programme ab – Emotionen entstehen. Dein Gehirn vergleicht diese Situation sofort mit vergangenen, ähnlichen Erlebnissen und prüft sie anhand deiner bestehenden Erfahrungs- und Emotionsmuster. Auf dieser Basis kann diese harmlose und ungeprüfte Situation von dir negativ bewertet werden und dein Verhalten beeinflussen. Vielleicht denkst du:

Er hat mich nicht gegrüßt – war das Absicht? Mag er mich nicht? Was habe ich falsch gemacht?

Oder du denkst dir: Immer werde ich übersehen und nicht wertgeschätzt. Dabei tue ich doch so viel für das Unternehmen und das Team.

Oder du schützt dich durch Distanz: Eigentlich mag ich ihn selbst nicht besonders – er ist oft sehr arrogant und von oben herab. Und auf meine E-Mail hat er auch noch nicht geantwortet…

Je nach emotionaler Prägung fühlst du dich dann entweder eher wütend und nimmst dir vor, den Kollegen auch nicht mehr zu grüßen, gibst ihm innerlich die Schuld für dieses und jenes, projizierst unbewusst das negative Gefühl auf deine Arbeit und verallgemeinerst daraus deine „ohnehin schon vorhandene Unzufriedenheit“, konfrontierst ihn oder lässt bei anderen deinen Frust raus.

Oder du fühlst dich minderwertig, ausgeschlossen oder ungeliebt und ziehst dich innerlich zurück. Vielleicht wartest du beim nächsten Mal erstmal ab, ob er dich grüßt. Je tiefer die Angst vor Ablehnung, desto stärker ist der Schutz- und Fluchtreflex – was dem Kollegen wiederum signalisieren könnte, dass DU ihn nicht magst. Die Folge könnte sein, dass du grundlegend an dir zweifelst, an dem Job, dem Umfeld, deinem Leben und dich weiter innerlich zurückziehst oder übertrieben stark den Halt bei deinem Partner bzw. deiner Partnerin suchst.

Selbstwert

Psychologisch gesehen glauben wir oft, dass unsere Sicherheit oder unser Selbstwert durch andere bedroht wird. Die meisten Menschen reagieren nicht auf die tatsächlichen Worte oder Handlungen anderer, sondern auf ihre eigenen inneren Verletzungen, Empfindlichkeiten und Befürchtungen. In uns brodelt oft ein Schwelbrand verdrängter und ungelöster Emotionen. „Bis du das Unbewusste bewusst machst, wird es dein Leben lenken und du wirst es Schicksal nennen“, so C.G. Jung. Unsere Begründung für unser Empfinden und Verhalten ist also oftmals falsch. Je unbewusster, unreflektierter und ungelöster unsere emotionalen Wirkkräfte, desto automatisierter, reflexhafter und unkontrollierter unsere Reaktion. So mancher emotionale Trigger führt dann zu äußeren Feindbildern.

Unsere Gedanken und Handlungen sind also weniger rational als oft nur das Echo unserer Gefühle. Unverarbeitete Emotionen führen dazu, dass Menschen agieren und reagieren, ohne genau zu wissen, warum – und sich Ziele setzen, die in Wahrheit nicht unbedingt ihren tiefsten Bedürfnissen entsprechen. Statt aus innerer Klarheit bewusst heraus zu handeln, treiben sie sich selbst an, um Erwartungen zu erfüllen oder Anerkennung zu erhalten. Das kostet Kraft und führt zu inneren Spannungen, Unzufriedenheit und dem Drang nach Kompensation – etwa durch Status, Macht, Reichtum, Anerkennung oder exzessiven Konsum.

Unsere Emotionen wirken wie eine Brille, die unsere Wahrnehmung verzerren und beeinflussen. Der US-Emotions- und Mimikforscher Dr. Paul Ekman beschreibt dies so: „Wir geraten in einen Zustand, in dem wir nur noch bestimmte Informationen abrufen können, die mit der vorherrschenden Emotion übereinstimmen. Wir sehen die Welt nicht so, wie wir sie in einem neutralen Zustand sehen würden. Unsere Emotionen verzerren unsere Reaktionen und schränken unsere Perspektive ein.“

Dr. Paul Ekman unterscheidet zwischen Emotion, Gefühl und Stimmung: Emotionen treten unmittelbar und unbewusst auf. Gefühle sind die bewusste Reaktion darauf. Stimmungen sind anhaltende emotionale Zustände.

Emotionen: Neurowissenschaftlicher Hintergrund

Unser Bewusstsein wird laut Neurowissenschaft von unserem überwiegend emotionalen Handeln im Wesentlichen erst nachträglich „informiert“. Der Hirnforscher Gerhard Roth erklärte, dass das Gehirn bei Entscheidungen primär emotional gesteuert ist. Unser Bewusstsein „erfindet“ nach der getroffenen Reaktion oder Entscheidung eine Begründung, die plausibel erscheint und unser Handeln rechtfertigt.

Ein Großteil unserer Überzeugungen entsteht, weil unser Gehirn immer Begründungen finden und erklären möchte, warum die Dinge genau so sind, wie sie sind. Doch irgendwann hören wir auf, diese Überzeugungen zu hinterfragen und fangen an, sie als gesetzmäßige Gegebenheiten, als absolute Wahrheit zu akzeptieren und als Automatismen ständig zu wiederholen.

Wir sind jedoch nicht nur passiv unseren Emotionen ausgeliefert, wir steuern diese auch aktiv. Unsere Gedanken bestimmen maßgeblich, was wir fühlen, was wir von der Welt wahrnehmen, wie wir eine Situation einschätzen und was wir uns zutrauen.

Emotionale Prägungen

Viele unserer emotionalen Prägungen sind in der Kindheit entstanden und dienten ursprünglich dazu, uns zu schützen und die Liebe unserer Eltern zu sichern. Kinder passen ihr Verhalten so an, dass sie Liebe, Anerkennung und Akzeptanz erhalten, später kommen auch Bedürfnisse nach Autonomie und Eigenständigkeit hinzu. Die Anerkennung der Eltern und deren bedingungslose Liebe sind in der Kindheit das Maß für unseren Selbstwert – und Sicherheit. Die Abhängigkeit von den Eltern ist in dieser Lebensphase so existenziell, dass Kinder alles glauben, was ihre Eltern über sie sagen, von ihnen erwarten und ihnen vorleben.

Ein Kind lernt früh im Leben, seine Emotionen zu regulieren, indem es zunächst von Erwachsenen (meist den Eltern) lernt, wie man Gefühle bewältigt – dies wird Co-Regulation genannt. Wenn ein Kind diese Art der gemeinsamen Regulation nicht ausreichend erlebt, muss es eigene Wege finden, um Stress zu bewältigen und sich emotional zu schützen.

Ein Kind gestresster Eltern hat beispielsweise nicht die Fähigkeit, deren Verhalten rational zu reflektieren, in den richtigen Kontext zu setzen oder die Verantwortung für deren übersteigerte Stressreaktionen den Eltern zuzuschreiben. Im Gegenteil: Die Gefahr ist groß, dass das Kind Glaubenssätze wie „Ich bin zu viel“, „Ich bin eine Last“, „Ich darf nicht stören“, „Ich bin nicht gewollt“ oder „Ich darf nicht auffallen“ entwickelt. Kinder suchen die Schuld fast immer bei sich selbst. Der Satz von Shahida Arabi bringt es auf den Punkt: „Ein Kind, das von seinen Eltern schlecht behandelt wird, hört nicht auf, seine Eltern zu lieben. Es hört auf, sich selbst zu lieben.“

Im Laufe des Lebens werden die ursprünglich angepassten Verhaltensweisen zu fest verankerten, oft unbewussten Glaubenssätzen und automatisierten Emotionsmustern. Die Erfahrungen, die wir meist in der Kindheit gemacht haben, übertragen wir dann fälschlicherweise auf neue Situationen oder projizieren sie auf andere Personen. Vergangene Verletzungen werden so zu unseren zukünftigen Ängsten.

Unsere frühen Bindungserfahrungen sind eine Art Blaupause für alle weiteren Beziehungen und sozialen Interaktionen unseres Lebens. Wenn wir auf Basis einer frühen Prägung davon ausgehen, dass wir nicht gut genug sind und abgewertet werden, sind wir sensibler und aufmerksamer für Kritik und nehmen Ablehnung stärker wahr. Nicht selten erwarten wir von unserem Partner, dass er oder sie uns gibt, wozu wir selbst nicht fähig sind: Uns zu lieben und zu akzeptieren, genau wie wir sind.

Unsere Erinnerungen sind keine Daten – sie sind emotionale Marker. Was emotional intensiv war, bleibt. Nicht, weil es wichtiger ist – sondern weil unser System es als relevant abgespeichert hat.

Emotionen als Schlüssel zur Selbstführung

Der Neurowissenschaftler und Angstforscher Joseph LeDoux zeigte in seinen Studien zur Amygdala, dass bei Gefahrensignalen eine schnelle, unbewusste Reaktion erfolgt, bevor der Kortex, unser Zentrum des bewussten Denkens, die Situation rational bewertet. Diese „schnelle Route“ ermöglicht es uns, reflexartig zu reagieren, beispielsweise bei Angst oder Bedrohung, ohne zunächst darüber nachzudenken. Ob die Gefahr dabei real oder mehr zwischen unserer beiden Ohren sitzt, ist dabei irrelevant. Denn wenn etwas nicht lebensbedrohlich ist, ist es in unserer heutigen Gesellschaft vor allem eines: Ego-bedrohlich. Interessant ist, dass wir bei gefühlter Bedrohung zunächst unterbewusst nach Bindung suchen, bevor wir mit dem automatisierten Stressreaktionen unseres autonomen Nervensystems – Angriff, Flucht oder Starre -reagieren.

Viele Menschen nutzen vier unbewusste Strategien im Umgang mit Problemen: Verdrängung, Ablenkung, Vermeidung oder Härte. Nicht gelebte Emotionen verschwinden nicht einfach – sie lagern sich ein. In deinem Körper, in deinen Gedanken, in deinen Beziehungen. Eine bekannte Psychologin sagte einmal: „Das Gefühl, das sich nicht in Tränen ausdrücken kann, bringt unsere Organe zum Weinen.“ “Don’t deal it until you feel it and heal it”, heißt es treffend im Englischen. Bevor wir etwas einfach akzeptieren und so tun, als sei alles in Ordnung, müssen wir es aufrichtig fühlen und verarbeiten. Das, was nicht verarbeitet ist, wird zum Trigger. Negative, unterdrückte Emotionen können sogar unser Herz und unsere Arterien belasten, wie Forscher der Berkeley University herausfanden.

Es geht nicht darum, sich dem negativen Empfinden passiv hinzugeben. Vielmehr bedeutet es, nicht gegen die Realität zu kämpfen und einfach ein sprichwörtliches Pflaster auf noch klaffende, emotionale Wunden zu kleben.

Indem wir uns bewusst machen, welche Emotionen in unserem Leben ungesagt oder unterdrückt wurden, können wir die verborgenen Antriebe hinter unserem aktuellen Verhalten besser verstehen. Denn oft haben uns unausgesprochene und verdrängte Emotionen dazu gebracht, Ziele zu verfolgen und Verhaltensweisen zu etablieren, die nicht wirklich unserem innersten Selbst entsprechen.

Macht der Emotionen: Biochemische Gewohnheiten

Wenn wir immer wieder dieselben Emotionen und emotionalen Reaktionen haben, die gleichen Gedanken denken, dieselben Entscheidungen treffen, dieselben Verhaltensweisen zeigen, dieselben Erfahrungen machen und dieselben körperlichen Prozesse auslösen, aktivieren wir auch stets die gleichen neuronalen Netze in unserem Gehirn und verstärken damit bestehende Muster. Das zementiert nicht nur unseren Status quo und erzeugt immer wieder dieselben Gefühle, Gedanken und Resultate, sondern schafft auch ein tiefes Gefühl von Vertrautheit, Sicherheit und vermeintlicher Identität.

Dieser Mechanismus kann dazu führen, dass emotionale Zustände zur festen Gewohnheit werden – weil unser Körper an die biochemischen Abläufe angepasst ist. Dadurch verharren wir oft unbewusst in vertrauten emotionalen Mustern und identifizieren uns mit ihnen. Das macht es unreflektiert schwer, gewohnte Denk- und Verhaltensweisen zu durchbrechen und echte Veränderungen im Leben herbeizuführen.

Beziehungen: Unser verdrängter Schatten

Der Mensch projiziert seine Ängste und Unsicherheiten auf die Außenwelt und handelt entsprechend. “Wir beschreiben nicht die Welt, die wir sehen; wir sehen die Welt, die wir beschreiben”, so René Descartes. Unsere unterdrückten Gefühle beeinflussen nicht nur uns selbst, sondern auch unser Umfeld. Wir sehen den anderen meist nicht wie er ist, sondern wie wir sind. Was wir im Außen sehen, ist oft nichts anderes als das Echo unserer eigenen Muster. Und während wir glauben, mit einem anderen Menschen in Beziehung zu stehen, sind wir oft nur in Beziehung mit einer Version von uns, die wir glauben sein zu müssen.

Wir ärgern uns bei anderen oft über genau das, was wir in uns selbst verdrängt haben und uns nicht erlauben zu sein oder zu leben. Jung beschrieb dies als das Konzept des Schattens: Was wir an anderen ablehnen, sind häufig genau die Eigenschaften, die wir uns selbst nicht zugestehen.

Statt diese verborgenen Bedürfnisse zu erkennen und anzunehmen, erscheint es oft leichter, sie zu verdrängen und Schuld sowie Verantwortung auf „die anderen“ zu übertragen. Doch dadurch entsteht der psychischer Abwehrmechanismus der Projektion.

Was wir an anderen ablehnen, ist oft ein Teil von uns selbst, den wir nicht leben dürfen oder glauben, nicht leben zu dürfen. Schattenarbeit heißt nicht, jeden Anteil auszuleben – sondern ihn zu sehen, zu integrieren und nicht länger zu bekämpfen.

Der Schlüssel zu gesünderen Beziehungen liegt darin, Emotionen bewusst wahrzunehmen und auszudrücken, statt sie zu unterdrücken. Wer sich öffnet und lernt, seine Gefühle klar zu kommunizieren, verhindert unbewusste Übertragungen und stärkt seine zwischenmenschlichen Verbindungen.

Beispiel: Wut

Oft sind wir unserer primären Emotionen nicht bewusst, sondern lediglich der sekundären emotionalen Reaktion darauf. Hinter Wut steckt fast immer eine unausgesprochene Verletzung. Und verletzte Menschen verletzen oft andere. Psychologische Ansätze zeigen, dass das, was uns als Kind Angst gemacht hat, uns als Erwachsene oft wütend macht. Männer drücken Trauer und Verlust oft als Wut und Aggression aus. Verkappte Wut tritt auch häufig als Überheblichkeit auf. Gleichzeitig neigen wir dazu, anderen die Schuld für unsere Wut zu geben, um unser eigenes Verhalten zu rechtfertigen. Was wir im Außen bekämpfen, verweist fast immer auf etwas, das wir in uns nicht ansehen wollen. Projektion ist die eleganteste Form der Vermeidung – und gleichzeitig die gefährlichste.

Auch Selbstkritik entsteht oft aus unterdrückter Wut. Menschen, die Angst vor ihrer eigenen Wut haben, richten sie unbewusst gegen sich selbst. Starke Selbstkritik ist häufig ein Abwehrmechanismus, um schwierige Emotionen zu vermeiden.

Wer sich selbst mit all seinen Emotionen versteht und respektiert, kann seine Energie gezielt einsetzen, aus Fehlern lernen und mit innerer Stabilität bessere Leistungen erbringen – sei es im Sport, in der Wirtschaft oder im Alltag. 

Strategien zur Emotionsregulation

Es gibt verschiedene Methoden, um Emotionen besser zu verstehen und zu regulieren: Es gibt verschiedene Methoden, um Emotionen besser zu verstehen und zu regulieren: Darunter Achtsamkeit, Meditation, Tagebuch, Atemübungen, Techniken zur Emotionsunterbrechung oder auch die 5-Why-Methode. Emotionsregulation ist ein wichtiger Bestandteil z.B. im Performance Coaching sowie in der Hypnose.

Emotionsmanagement: Die 90-Sekunden-Regel

Eine einfache, aber wirkungsvolle Strategie zur Emotionsregulation ist die 90-Sekunden-Regel. Neurologische Erkenntnisse zeigen, dass eine Emotion weniger als 90 Sekunden braucht, um chemisch im Körper abgebaut zu werden. Bleibt sie länger bestehen, liegt das nicht an der Emotion selbst, sondern an den Gedanken, die sie immer wieder neu aktivieren.

Schritt 1: Werde dir deiner Emotion bewusst und nimm das Gefühl wahr. Anstatt es zu unterdrücken, erkenne es als das, was es ist: Eine vorübergehende Welle, kein Dauerzustand – und zähle bis 90.

Schritt 2: Lenke deine Aufmerksamkeit bewusst um. Welche Gedanken halten die Emotion aufrecht? Welche Perspektive könnte dich aus dieser Endlosschleife lösen?

COACHING MIT MARCEL KAFFENBERGER

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