Ängste überwinden

Coachint-Tipp: Ängste überwinden

Was sind Ängste? Wie entstehen Ängste und Phobien? Wie Sie Ängste überwinden und Panik und Phobien loswerden!

Angst verstehen und Ängste lösen

Mehr als 14 Millionen Menschen leben im deutschsprachigen Raum mit einer diagnostizierten Angsterkrankung. Ängste gibt es viele, z.B. ur-menschliche Ängstewie Angst zu versagen, Angst nicht gut genug zu sein, Angst nicht geliebt oder ausgeschlossen zu werden… Oder aber auch Angststörungen, darunter Panikstörung, Emetophobie, Flugangst, Sozialphobie, Prüfungsangst, Erythrophobie, Höhenangst, Klaustrophobie, Agoraphobie, generalisierte Angststörung etc.

Es gibt nur zwei universelle, angeborene Ängste:
1. Die Angst vor Höhe
2. Die Angst vor Lärm

Dabei gibt es eine archetypische und damit eine angeborene Angstreaktion, die als „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ (fight-or-flight response) bezeichnet wird und aus drei möglichen Reaktionen auf eine drohende (oder eingebildete) Gefahr besteht:
Kämpfen
Fliehen
Erstarren

Der Großteil unserer Ängste sind erlernt und hängen mit einschneidenden Erlebnissen oder übersteigertem Stress zusammen. Angst an sich ist eine völlig gesunde und richtige Reaktion unseres Körpers. Angst beschützt uns und hat uns über tausenden von Jahren am Leben gehalten. Doch wenn wir starke Angst haben, ohne dass eine real erkennbare oder nachvollziehbare Gefahr droht, wird Angst zum Problem. Meist merken wir eine irrationale oder gesteigerte Angst erst, wenn wir schon über eine längere Zeit psychische und physische Warnsignale sowie eine ungesunde Lebenssituationen ignoriert haben.

Angstpatienten haben häufig diese drei Eigenschaften, die als Nährboden der Angst dienen:
1. Negatives Denken
2. Ja, aber-Mentalität
3. Hohe Empathie (und damit Empfindsamkeit in Bezug auf die Umgebung)

Im Gehirn eines erwachsenen Menschen befinden sich etwa 86 Milliarden Nervenzellen, auch Neuronen genannt. Diese sind untereinander mit ca. 100 Billionen Synapsen verbunden. Das heißt, jede einzelne Gehirnzelle ist mit jeweils mindestens 1.000 anderen Gehirnzellen verbunden. Die Art und Weise, wie wir regelmäßig denken, sorgt für die entsprechende Vernetzung unseres Gehirns. Irgendwann werden aus ersten Gewohnheiten feste Reiz-Reaktionsmuster, die u.U. zu einer Angststörung führen können. Abseits der beiden erwähnten Urängste ist Angst erwiesenermaßen ein erlerntes Verhalten und daher fast immer auf einen fehlgeleiteten Gehirnautomatismus zurückzuführen. In unserem Gehirn sorgen die körpereigenen Botenstoffe, genannt Neurotransmitter (z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin, Depamin, Oxytocin, Histamin), dafür, dass eine bestimmte körperliche Reaktion ausgelöst wird, die wir dann als Angstsymptome oder körperliche Beschwerden wahrnehmen. Die gute Nachricht lautet: Alles, was unsere Gehirn an ängstlichem Verhalten gelernt hat, können wir auch wieder neu und damit gesund erlernen.

Ursachen der Angst

Bevor wir die psychischen Ursachen unserer Angst ausfindig machen, gilt es herauszufinden, ob es ggf. gesundheitliche Gründe (z.B. Mangel an B-Vitaminen, Schilddrüsenprobleme usw.), Gründe falscher Ernährung (Blähungen die Angstsymptome verursachen, Roemheld-Syndrom usw.) oder das Einnahmen bestimmter Substanzen (Medikamente, Drogen usw). für unser Angstgefühl oder die Angstsymptome verantwortlich sind.

Ängste, Panik und Phobien

Angst ist fast immer an die Vorstellung geknüpft, dass sich in der Zukunft etwas Schreckliches ereignen könnte. Daher ist Angst für uns oft Impulsgeber, in der „Komfortzone“ zu bleiben. Diese gibt uns das vermeintliche Gefühl von Sicherheit, in Wahrheit dient sie nur der Flucht vor der Angst. Diese Flucht verhindert, dass wir zu uns selbst und zu dem Leben finden, das wir leben wollen und können. Um ein erfülltes und angstfreies Leben führen zu können, müssen wir als erstes die Angst vor Veränderungen hinter uns lassen.

Tief sitzende Ängste sind ursächlich häufig auf Probleme in einem dieser drei Themenfelder zurückführen:
1. Beziehung
2. Beruf
3. Persönliches Umfeld

Unterschied Angst und Phobie

Im Zusammenhang mit Ängsten gibt es häufig zwei Fragen:

1. Was ist der Unterschied zwischen Angst und Phobie?

Eine Phobie ist eine Art von Angststörung. Sie bezeichnet eine übersteigerte Furcht, die im Gegensatz zur gesunden Angst nicht mehr natürlich und der Situation angemessen ist. Kennzeichen einer Phobie sind, dass die Angst vor dem Gegenstand, Lebewesen oder der Situation unbegründet oder unangemessen hoch ist.

2. Was ist der Unterschied zwischen Angst und Furcht?

Vereinfacht ausgedrückt: Angst entsteht in unserem Inneren, während Furcht plötzlich und durch einen äußeren Reiz ausgelöst wird.
Furcht wird durch eine klar identifizierbare Bedrohung ausgelöst. Bei der Furcht handelt es sich um eine starke emotionale Reaktion auf eine tatsächliche Bedrohung (Raubtier, Überfall o.ä.). Angst hingegen ist das anhaltende Gefühl einer diffusen Gefahr. Angst ist ein Zustand, bei dem wir ein unangenehmes Gefühl der Anspannung spüren, wenn wir zum Beispiel an eine Bedrohung denken, die auf uns zukommen kann bzw. die vor uns liegen könnte.

Handlungen heilen Angst

Die Dinge, vor denen wir uns am meisten fürchten, sind häufig die, die wir am dringendsten tun müssen. Nicht mit allen oder tief sitzenden Ängsten sollten wir uns direkt konfrontieren, da wir ansonsten die neuronale Vernetzung in negativer Weise nur noch verstärken. Verschaffen Sie sich zunächst Klarheit und seien Sie dabei ganz ehrlich zu sich selbst:

• Was schieben Sie aus Angst schon lange vor sich her?
• Was ist das absolut Schlimmste, das passieren kann, wenn Sie es tun? Stellen Sie sich in allen Details genau vor, was dann Unangenehmes passieren wird. Wie stark ist dieses negative Gefühl auf einer Skala von 1-10? Verursacht dieses Schlimmste einen bleibenden Schaden?
• Was würden Sie benötigen, um einen eventuellen Schaden zu verhindern oder zu korrigieren und die Sache wieder in Ordnung zu bringen?
• Was würde in Ihrer Vorstellung passieren, wenn Sie das umsetzen, vor dem Sie sich fürchten? Haben Menschen in Ihrem Umfeld in gleicher Weise gehandelt, und wie ist es diesen dabei ergangen?
• Was entgeht Ihnen finanziell, emotional, intellektuell, wenn Sie das, wovor Sie sich fürchten, nicht tun?

Wenn Sie diese fünf Fragen ehrlich beantworten und die Konsequenzen akzeptieren, können Sie Ihre Ängste besser verstehen und die Grundlage der Angstüberwindunglegen. Erproben Sie diese Methode in weiteren Situationen die Ihnen Angst machen. Rufen Sie sich diese fünf Fragen in Ihrem Leben in ähnlichen Situationen immer wieder auf. Wenn Sie gelernt haben, angstfrei zu werden, fallen Ihnen Ihre Entscheidungen in Ihrem Leben deutlich leichter fallen.

Fragen Sie sich: Wobei hilft mir meine Angst? Was würde ich tun, wenn ich jetzt eine Pille schlucke, die meine Ängste verschwinden lässt? Was ist der positive Krankheitsgewinn (Sekundärgewinn) meiner Angst? Bekomme ich durch meine Ängste Liebe, Fürsorge, Schutz, Aufmerksamkeit o.ä.? Welches Gefühl setzt direkt nach der Angst ein? Häufig zeigt uns dieses Gefühl genau das, was wir am dringendsten benötigen, um die Angst loszulassen.

Ängste loslassen – Ängste, Panik und Phobien loswerden

Es sind unsere unterdrückten Emotionen, die uns anfällig für Angst und Stress machen. Die Bereitschaft, sich ängstlich zu fühlen und auf äußere Reize emotional mit Angst zu reagieren, hängt z.B. davon ab, wie viel Angst innerlich in uns vorhanden ist, um durch einen äußeren Reiz ausgelöst werden zu können. Die Grundregel ist, dass wir uns auf das fokussieren, was wir unterdrückt haben. Es besteht ein Widerstand gegen unsere negativen Gefühle im Allgemeinen. Der nächste Schritt zur Überwindung von Ängsten besteht darin, uns zu erlauben, die Emotion „Angst“ zu haben, ohne sie zu verdrängen, zu negieren, zu relativieren, sie zu fürchten, zu verteufeln, zu bewerten oder moralisch zu verwerfen. Es bedeutet, jede Beurteilung fallen zu lassen und zu erkennen, dass es nur ein Gefühl ist. Es ist vor allem der Widerstand, der das Gefühl der Angst fortbestehen lässt.

Dieser Schritt besteht also darin, die Erfahrung der Angst total zu akzeptieren. Das mag mehr als widersprüchlich und kontraproduktiv klingen. Und dennoch: Dieser Mechanismus führt zum Loslassen der Angst. Der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl nannte dies eine „paradoxe Intention“. Mittels dieser Technik lässt sich nach Frankl der Teufelskreis der Erwartungsangst, also der Angst vor der Angst durchbrechen.

Was tun bei Panikattacken? Techniken zur Angstbeseitigung

Ängste überwinden – Technik 1:

Denken Sie an die Situation, die Ihnen Angst macht. Bewerten Sie die Intensität des Angstgefühls auf einer Skala von 1 = gar nicht und 10 = unerträglich groß.
Fühlen Sie nun in Ihren Körper hinein und lokalisieren Sie körperlich die Angst. In welcher Stelle Ihres Körpers spüren Sie die Angst am stärksten?
Alle Gefühle haben eine Bewegungsrichtung. Dreht sich Ihr Angstgefühl nach rechts oder nach links? Nach oben oder nach unten? Schnell oder langsam?
Auf welcher Seite Ihres Körpers können Sie die Angst lokalisieren?
Nehmen Sie nun das Angstgefühl gedanklich aus Ihrem Körper heraus, drehen es um und setzen es in entgegengesetzter Bewegungsrichtung auf der anderen Seite des Körpers wieder ein.
Spüren Sie in sich und halten Sie fest, wie stark die Angst nun reduziert oder gänzlich verschwunden ist.

Ängste überwinden – Technik 2:

Denken Sie an die Situation, die Ihnen Angst macht. Bewerten Sie die Intensität des Angstgefühls auf einer Skala von 1 = gar nicht und 10 = unerträglich groß.
Verlassen Sie bitte gedanklich die Ihnen Angst machende Situation und denken Sie ausschließlich nur noch ans Ende der Situation, und zwar positiv. Wie werden Sie sich fühlen, wenn Sie die Situation mit Bravour gemeistert haben, souverän und mit großer Gelassenheit? Wie werden Sie von den anderen gesehen? Wo werden Sie dann sein und was genau tun?
Gehen Sie von diesem positiven Gefühl gedanklich zurück bis zum direkten Ende der Angstsituation.
Denken Sie nun an etwas ganz anderes (Ihr Lieblingsessen, das schönste Auto, den nächsten Urlaub…) und beenden Sie diese Übung. Sie werden über das Resultat erstaunt sein!

By |2018-08-16T13:53:03+00:00August 16th, 2018|Coaching, Selbstcoaching, Tipps, Wissen|
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